Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) verabschieden sich am Ostermontag 2026 in den Tatort-Ruhestand. Wir nehmen ihren Abschied zum Anlass, unsere sechs Lieblingsfolgen mit den Münchner Kommissaren zu küren.
„Frau Bu lacht“ (1995)

Für unseren Autor Achim Neubauer ist der Klassiker Frau Bu lacht mit der legendären „Knusperfrosch“-Szene die beste Tatort-Folge mit Ivo Batic und Franz Leitmayr:
Das düstere Drama von Dominik Graf und Günter Schütter markiert einen Wendepunkt in der langen Reihe der Batic/Leitmayr-Tatorte und wird nicht von ungefähr sowohl vom daran beteiligten kreativen Personal als auch von der Kritik zu einem der wichtigsten Filme der Reihe gezählt. Zum Drehzeitpunkt sind Nemec und Wachtveitl knapp fünf Jahre für den BR aktiv, doch weder Produktion noch Redaktion haben bis dato eine klare Linie für die Beiträge aus München gefunden. Zugleich müssen Schütter und Graf gerade den kommerziellen Flop ihrer Großproduktion Die Sieger verkraften.
Der Film thematisiert Kindesmissbrauch und geht schonungslos dahin, wo es weh tut: in die tiefen Abgründe der menschlichen Seele. Der Auftaktmord und seine Aufklärung treten schnell in den Hintergrund, so dass die Ermittler am Ende sogar die Täterin entkommen lassen. So dunkel das Thema, so schrecklich die Szenen von (Selbst-)Mord, Missbrauch und Ausnutzung, die ausweglose Lage und Hilflosigkeit der Thailänderinnen und ihrer Töchter. Unkorrekt reihen sich abstruse Szenen ein, die den Wahnwitz der Situation kontern oder eben unterstützen, je nach Blickwinkel. Der Wahnsinn hat Methode in diesem Meisterwerk, so dass final allein ein Sturm dafür sorgen kann, dass (wenigstens) der Himmel wieder klar wird.
„Der Traum von der Au“ (2007)

Der Favorit unserer Autorin Sonja Kowallek ist die Abschiedsfolge von Carlo Menziger, der 2007 nach Thailand auswanderte:
Mit Der Traum von der Au ist Batic und Leitmayr schon einmal ein lässiger Abschluss gelungen, auch wenn sie damals nur ihren langjährigen Assistenten Carlo Menzinger dank seines jähen Erbes nach Thailand verabschieden mussten. Die Folge steht für das, was das Team 35 Jahre lang so zuverlässig wie kaum ein zweites geliefert hat: spannende und relevante Krimis, in denen der Witz nie zu kurz kommt.
Ich persönlich habe ja immer gehofft, dass die Kommissare ihrem Carlo irgendwann nach Thailand folgen. So oder so hat Frank Sinatra wohl recht, wenn er singt: That’s life!
„Der oide Depp“ (2008)

Für unseren Autor Sascha Noack ist der ein Jahr darauf ausgestrahlte Fall Der oide Depp die beste Episode mit den Münchner Kommissaren:
Die Geschichte beginnt ganz unscheinbar – und entwickelt fast beiläufig eine immense Wucht. Statt auf spektakuläre Action setzt der Film auf unterschwellige Spannung und einen Twist, der wohl als einer der verblüffendsten der Tatort-Geschichte bezeichnet werden kann. Der oide Depp ist für mich weit mehr als nur ein gewöhnlicher Kriminalfall und genauso erinnerungswürdig wie das kongeniale bayrische Ermittlerduo, das sich nun nach 100 Folgen in den wohlverdienten Tatort-Ruhestand verabschiedet.
Ich wünsche Ivo und Franz einen standesgemäßen Ausstand, der hält, was er verspricht: Mögen Batic und Leitmayr, die Unvergleichlichen, unvergänglich bleiben!
„Die Wahrheit“ (2016)

Bei unserer Autorin Kirsten Ohlwein liegt die Folge Die Wahrheit, die auch beim Publikum hervorragend ankam, ganz vorne:
Immer dann, wenn der Zufall im Spiel zu sein scheint, wenn vollkommen willkürlich ein Mensch auf offener Straße stirbt, ermordet wird, erst recht, wenn er gerade versucht hat, jemandem zu helfen, bilden sich im Kopf in Sekundenschnelle die ersten 20 Fragen, jede Menge Spannung und Neugier. Der Zuschauer wird getrieben. Die Wahrheit ist Krimi, Drama und Thriller zugleich. Es ist außerdem einer der wenigen Filme, der keinen Täter liefern kann. Genau dadurch bleibt am Ende alles rund – wenn auch tragisch.
„Wir kriegen euch alle“ (2018)

Unser Autor Leopold Otto favorisiert eine Folge, die weniger oft genannt wird, wenn es um die besten Fälle der Münchner Urgesteine geht: Wir kriegen euch alle.
Nach 100 Fällen und 35 Dienstjahren ist Schluss – der Münchner Tatort beendet seine prägende Ära, die immer wieder aufs Neue herausragende Fälle hervorbrachte. Wir kriegen euch alle, ihr 80. Fall, ist ein eben solcher: Der Film um gehackte Smart-Puppen überzeugt als packender Technologie-Thriller mit einem denkwürdigem Auftaktmord. Ein Hochglanz-Whodunit mit Horrorelementen und smartem Humor – Stichwort Räuberleiter.
Auch dieser Humor war es, der das Duo über all die Jahre für mich zu etwas ganz Besonderem machte. Ich werde Batic und Leitmayr sehr vermissen!
„Unklare Lage“ (2020)

Chefredakteur Lars-Christian Daniels fällt die Wahl schwer, letztlich nennt er aber den Meilenstein Unklare Lage als seinen Favoriten:
Neben den bereits genannten Folgen zählen auch das dramatische Liebesdrama Im freien Fall, das köstliche Krimidinner-Experiment Mord unter Misteln oder der fiese Cliffhanger-Krimi Am Ende des Flurs zu meinen Lieblingsfolgen aus München. So mitgerissen wie Unklare Lage hat mich bisher aber selten ein Tatort: Er ist an den realen Amoklauf im Olympia-Einkaufszentrum angelehnt und beleuchtet einen absoluten Ausnahmezustand. Mitten drin im Trubel: Batic und Leitmayr, die sich mit ihrer Erfahrung von der Hektik nicht anstecken lassen und den Überblick bewahren. Ein rasant inszenierter, mitreißender Fall, der mich nachhaltig beeindruckt hat.
Das Münchner Kultduo, mit dem ich anfangs wenig anfangen konnte, hat sich schnell zu einem meiner Lieblingsteams gemausert und hinterlässt eine riesige Lücke – auch in meinem Herzen. Mit Kalli und seinem neuen Kollegen stehen würdige Nachfolger aber zum Glück schon bereit!


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