Kommt noch ein neuer Tatort mit Til Schweiger?

Hier erfährst du, ob die ARD noch einen neuen Hamburger Tatort mit Nick Tschiller (Til Schweiger) und Yalcin Gümer (Fahri Yardim) sendet.


Bild: NDR/Christine Schroeder
Der letzte Tatort mit Nick Tschiller (Til Schweiger) und Yalcin Gümer (Fahri Yardim) trug den Titel Tschill Out und liegt schon eine gefühlte Ewigkeit zurück: Er wurde erstmalig am 5. Januar 2020 ausgestrahlt. Die in Hamburg ansässigen LKA-Kommissare verschlägt es in dem Krimi auf die Nordseeinsel Neuwerk, wo Tschiller in einer Erziehungseinrichtung für Teenager aushilft und auf sein Disziplinarverfahren wartet.
Der sechste Einsatz von Tschiller und Gümer war – wohl auch aufgrund der besorgniserregenden Einschaltquoten und der Zuschauerbeschwerden über die actionlastige Gangart in Hamburg – weit weniger spektakulär als seine Vorgänger. Er erhielt von uns solide 5 von 10 Punkten. Auch beim Publikum kam der Fall besser an als viele andere Folgen mit Til Schweiger. Die Einschaltquote lag mit siebeneinhalb Millionen Zuschauern in Deutschland allerdings unter dem Tatort-Durchschnitt.

Wie geht es nun weiter?

Anders als in den meisten anderen Tatort-Städten, in denen das ganze Jahr über fleißig neue Krimis produziert werden (mehr dazu in unserem Drehspiegel), scheinen die Tatort-Folgen mit Til Schweiger und Fahri Yardim keine Zukunft mehr zu haben. Hauptdarsteller und Aushängeschild Schweiger stand beim NDR zwar eigentlich noch für zwei Folgen unter Vertrag, die bis jetzt aber noch nicht gedreht wurden und die auch wohl nicht mehr realisiert werden.
„Wir haben noch nichts Konkretes in der Hand, aber auch keine Eile“, erklärte der NDR auf Anfrage einer Boulevardzeitung bereits im Januar 2022. Auch im Jahr davor hatte der Sender bei Anfragen ausweichend reagiert. 2022 und 2023 haben keine Dreharbeiten zu einem neuen Tschiller-Tatort stattgefunden. Im April 2023 bestätigte der Sender gegenüber T-Online: „In diesem und im nächsten Jahr sind keine weiteren Tatorte mit Til Schweiger geplant.“ 
ARD-Koordinator Fiktion Jörg Schönenborn gab im August 2023 der HÖRZU zu Protokoll, dass mit Schweiger „vorerst keine weiteren Krimis geplant“ sind. Das lässt zumindest eine kleine Hintertür offen. Auch eine Anfrage von T-Online aus dem September 2023 bestätigt, dass das Tischtuch noch nicht endgültig zerschnitten ist: „Wir suchen nach einem passenden Konzept“, bestätigte die ARD-Pressestelle. Aktuell sei aber keine Produktion geplant. Im Februar 2024 hieß es gegenüber Spiegel Online: „Der NDR und Til Schweiger haben bei sechs Tatorten sehr gut zusammengearbeitet und gemeinsam eine neue Farbe in die Krimireihe gebracht. Til Schweiger beschreibt es zutreffend, dass sich beide Seiten aktuell mit einem Neustart etwas schwertun. Wir bleiben aber weiter miteinander im Gespräch.“
Til Schweiger äußerte sich einen Tag zuvor gegenüber der BILD-Zeitung skeptischer. „Ich beschäftige mich nicht mit dem Tatort. Ich habe den eigentlich nie geguckt, bis ich ihn selber gemacht habe“, so der Schauspieler. Er habe dem Boulevardblatt zufolge einige angesehen und keine Lust mehr auf eigene Ausgaben. „Es waren ein paar gute dabei – aber viele nicht so gute“. Trotz der bestehenden Verträge sei eine Fortsetzung der Tschiller-Folgen nicht geplant: „Das ist schon lange nicht mehr geplant, dass wir da weitermachen.“ Auch beim NDR und der ARD habe man „keinen Bock mehr“, vermutet Schweiger.
Dass es wohl keine weiteren Tatort-Folgen mit Nick Tschiller und Yalcin Gümer geben wird, ließ auch Fahri Yardim durchklingen: Seine einst dicke Männerfreundschaft zu Til Schweiger hat sich abgekühlt. „Wir haben uns in letzter Zeit ein bisschen auseinandergelebt und ich habe lange nichts mehr von den Tatort-Machern gehört“, so der Schauspieler im Juli 2022. „Im Grunde warte ich den halben Tag vor dem Hörer darauf, dass endlich die Fortsetzung anruft. Aber niemand will mich und niemand meldet sich.“ Til Schweiger hingegen äußerte im März 2024 im Podcast „Hotel Matze“, dass sich auch Yardim nicht melde: „Den habe ich überall hin mitgenommen und der hat immer gesagt: ‚Ohne dich würde ich jetzt noch Gemüsehändler spielen. Ich hab dir so viel zu verdanken.‘ Und dann war er auf einmal weg“, so Schweiger.
Til Schweigers Terminkalender dürfte freilich auch ohne neue Tatort-Produktion prall gefüllt sein, was Dreharbeiten für eine weitere Folge mit Nick Tschiller nicht leichter macht. Seine vielen Projekte (und Skandale) halten Til Schweiger freilich nicht davon ab, über andere Tatort-Produktionen herzuziehen: Zuletzt äußerte er sich im Februar 2023 in einem deutschen Boulevardblatt abwertend über die Folgen aus Münster. Auf die Frage, ob er sich vorstellen könne, an der Seite von Jan Josef Liefers und Axel Prahl mitzuwirken, sagte er: „Dazu bin ich mit viel zu viel Herzblut Schauspieler. Viele Fans sagen mir: ‚Man vergisst bei dir, dass du Schauspieler bist!‘ Deswegen hätte ich keinerlei Ambitionen, in dem Kasperletheater von Münster mitzumachen.“ In der Vergangenheit hatte sich Schweiger auch über den Kölner Tatort lustig gemacht („zwei moppelige Kommissare, die ’ne Currywurst verspeisen“).

Über den Hamburger Tatort

Mit Blick auf die Einschaltquoten zeigte der Pfeil in Hamburg schon seit einigen Jahren eindeutig nach unten: Wollten den ersten Tatort mit Nick Tschiller (Til Schweiger) und Yalcin Gümer (Fahri Yardim) – Willkommen in Hamburg von 2013 – noch über 12,5 Millionen Menschen sehen, ging es mit dem Interesse in den Jahren danach kontinuierlich abwärts. Beim zweiten Fall Kopfgeld schalteten in Deutschland „nur“ noch knapp 10 Millionen Zuschauer ein, danach sanken die Quoten in den deutlich siebenstelligen Bereich.

Daran konnte nicht einmal der mit einer großen PR-Aktion angekündigte Gastauftritt von Schlagerstar Helene Fischer etwas ändern: Der Tatort Der große Schmerz, in dem Fischer eine eiskalte russische Killerin spielt, verfehlte die 10-Millionen-Marke deutlich. Dass „nur“ gut 8 Millionen Menschen einschalteten, lag aber auch daran, dass der Film am Neujahrstag gegen das quotenstarke ZDF-Format „Das Traumschiff“ antreten musste. Ins Leben gerufen wurde der Krimi ursprünglich als Antwort auf den Münster-Tatort Summ, summ, summ, mit dem die beiden Publikumslieblinge Axel Prahl und Jan Josef Liefers sowie Gaststar Roland Kaiser kurz nach Schweigers Debüt in Willkommen in Hamburg 2013 die Traumquote von knapp 13 Millionen Zuschauern einfuhren.
Den Tiefpunkt des stetig schwindenden Publikumsinteresses, das sich auch schon seit Jahren bei Schweigers Kinofilmen beobachten lässt, bildete der aufwändig fürs Kino produzierte Actionthriller Tschiller: Off Duty, der nicht einmal 300.000 Besucher in die Lichtspielhäuser lockte und bei seiner TV-Premiere im Sommer 2018 über die Mattscheibe nur fünf Millionen Zuschauer erreichte.

Dass sich in den vergangenen Jahren immer mehr Tatort-Fans von den Schweiger-Krimis abgewandt haben, mag auch mit den öffentlichen Auftritten des umstrittenen Schauspielers und Filmemachers zusammenhängen: Bereits vor seinem Amtsantritt als Tatort-Kommissar hatte sich Schweiger im Jahr 2012 dafür stark gemacht, den kultverdächtigen Tatort-Vorspann abzuschaffen. Er empfand ihn als „outdated“, was ihm harsche Kritik des Stammpublikums einbrachte.

Nach der von vielen Kritikern für schwach befundenen Doppelfolge Der große Schmerz und Fegefeuer ließ sich Schweiger dann 2016 zu einem emotionalen Facebook-Post hinreißen, in dem er seinen Stammregisseur Christian Alvart feierte und die altgedienten Tatort-Kommissare aus Köln und München verhöhnte.
Lange Abstände zwischen zwei Folgen aus Hamburg sind beim Blick auf die letzten Jahre ohnehin nichts Ungewöhnliches: Zwischen dem Tatort Tschill Out von 2020 und der TV-Premiere des gefloppten Kino-Tatorts Tschiller: Off Duty, den die ARD zum Unmut ihres Hauptdarstellers im Sommerloch 2018 versenkte, lagen knapp eineinhalb Jahre. Die inhaltlich eng verknüpften Vorgänger Fegefeuer und Der große Schmerz stammen sogar aus dem Januar 2016.

Letzte Aktualisierung: 22. März 2024