Bild: SWR/Benoît Linder

Das jüngste Geißlein

Folge 1324

4. Januar 2026

Sender: SWR

Regie: Rudi Gaul

Drehbuch: Rudi Gaul, Ulrike Schölles

So war der Tatort:

Schauermärchenhaft.

Das jüngste Geißlein – der Krimititel verrät es bereits – wandelt nämlich auf den Spuren der Brüder Grimm: Regisseur und Drehbuchautor Rudi Gaul (Ad Acta), der die Geschichte mit Ulrike Schölles schrieb, münzt das berühmte Märchen Der Wolf und die sieben jungen Geißlein in einen gruseligen Horror-Tatort um und wählt dafür das perfekte Setting: ein abgelegenes Haus am Rand des winterlichen Schwarzwalds. In wohl kaum einer zweiten Tatort-Stadt ließe sich seine düstere Geschichte so gut erzählen wie in der Region, in der die Hauptkommissare Franziska Tobler (Eva Löbau) und Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) ermitteln.

Gleich zu Beginn, aber auch im weiteren Verlauf der Handlung nimmt der Film das weniger märchenfeste Publikum geschickt an die Hand: Wir sehen zunächst ein blondes Mädchen, das ein schneeweißes Kleid trägt und sich ängstlich in einer Wanduhr versteckt, während seine sechs Schwestern panisch andere Unterschlupfe im Haus suchen. Gleichzeitig liest eine Erzählerin (Denise Gorzelanny) aus dem Off die Märchenstelle vor, die für diesen Tatort den Schlüsselmoment bildet: Als die Mutter das Haus verlassen und ihre Geißlein allein darin zurückgelassen hat, versucht der böse Wolf zunächst erfolglos, von außen einzudringen. Im zweiten Anlauf bedient er sich einer raffinierten Tarnung und gelangt hinein. Allein das jüngste Geißlein, das sich in der Standuhr versteckt, entgeht seinen Klauen.

Märchenhafte Es-war-einmal-Motive wie dieser halten bei weitem nicht zum ersten Mal Einzug in die Drehbücher der Krimireihe: Beobachten ließen sich solche Versatzstücke etwa im starken Münchner Tatort Ein mörderisches Märchen von 2001, im kurzweiligen Berliner Tatort Dornröschens Rache von 2007 oder zuletzt im Schweizer Tatort Rapunzel von 2024. Das kommt nicht von ungefähr, schließlich vermitteln viele Märchen Moralvorstellungen und Botschaften, die sich hervorragend in Kriminalgeschichten transformieren lassen. Das weiß auch Toblers Kollege Jakob Wolburg (Stefan Wilkening, dritter Auftritt nach Damian und Saras Geständnis), der den aufgrund der Ereignisse im Vorgänger Der Reini vom Dienst suspendierten Berg bei diesem Fall vertritt.


WOLBURG:
Märchen bedeuten immer dasselbe. Du sollst nicht alleine raus, nicht mit Fremden mitgehen, nicht vom Weg abkommen. Sonst wirst du vergewaltigt oder totgeschlagen. Oder beides.

Rein atmosphärisch zählt der ungemein stimmungsvoll arrangierte 1324. Tatort zum Besten, was die Krimireihe in den 2020er-Jahren hervorgebracht hat. Und er weiß einen Shootingstar in seinen Reihen: Die zum Zeitpunkt des Drehs erst neun Jahre alte Hanna Heckt, die mit ihrer Hauptrolle im Cannes-Beitrag In die Sonne schauen auf zahlreichen Filmfestivals für Furore sorgte, mimt die unter selektivem Mutismus leidende Eliza, die sich einleitend in der Uhr versteckt und danach nur noch dem „Zeugen“ Berg anvertraut. Nach dem Hinweis einer Bäckerin, dass Elizas Mutter nicht zur Arbeit erschienen sei, geht der Hauptkommissar a.D. ohne Befugnis ins Haus und entdeckt dort neben dem verängstigten Mädchen auch eine Blutlache, die Elizas bald tot aufgefundenem Stiefvater Stefan Wegmüller (Simon Matt) zugeordnet wird. Was ist hier geschehen?

Neben der Frage, wer Elizas Vater auf dem Gewissen hat, treibt den Film auch die Frage nach dem Aufenthaltsort der Mutter voran – und spätestens hier offenbart sich die große inhaltliche Nähe zum Dresdner Tatort Nachtschatten, den die ARD absurderweise drei (!) Tage vorher erstmalig ausstrahlte. So wie im Neujahrstatort 2026 steht auch das Ermittlerduo im Schwarzwald vor einem in Rätseln sprechenden, verstörten Kind, quartiert es in einem Kinderheim ein und setzt auf die Hilfe einer Psychologin, hier auf die undurchsichtige Dr. Evelyn Kaltenstein (Mina Tander, Ein neues Leben). Und so wie in Nachtschatten schimmert auch in Das jüngste Geißlein schnell durch, dass sich die psychisch labile Minderjährige in ihrer magisch-kindlichen Fantasiewelt vieles nur einbildet. Ihre Geschwister etwa existieren nicht.

Für seine dämliche Terminierung kann der auch an den Dresdner Hochkaräter Parasomnia erinnernde Horror-Tatort unter Regie von Rudi Gaul, der mit den Stuttgarter Folgen Videobeweis, Vergebung und Verblendung bereits drei Volltreffer zur Krimireihe beisteuerte, allerdings herzlich wenig – und auch sonst mag man dem Film lange Zeit keine Schwächen vorwerfen. Die rätselhaft-reizvolle Geschichte ist von Minute 1 an mitreißend inszeniert, effektive Genretricks wie fiese Jump-Scares verfehlen ihre Wirkung selten. Dystopisch-schräge Streicherklänge erhöhen den Gruselfaktor und Episodenhauptdarstellerin Hanna Heckt liefert nicht nur mit Blick auf ihr junges Alter eine überragende Performance. Die Bühne gehört ihr.

Doch es gibt eine weitere Alternative zu Nachtschatten, die weniger erfreulich ist und das herausragende Gesamtbild empfindlich trübt: So elektrisierend sich das Geschehen im düsteren, winterlichen Schwarzwald lange gestaltet, so wenig glaubwürdig ist die Auflösung der Frage, welches Schicksal Elizas Mutter Valea Baciu (Viorica Prepelita) ereilt hat. Die konstruierte Schlusspointe führt die akribische Arbeit der Spurensicherung ad absurdum – hätten am Anfang alle ein bisschen genauer hingeschaut, wäre der Fall schnell geklärt gewesen. Ein herber Wermutstropfen in einem ansonsten bärenstarken Psychothriller, der auch die Horizontale im Breisgau weiterführt: Berg ist trotz Suspendierung mittendrin statt nur dabei und darf sich am Ende große Hoffnungen machen, wieder an seinen Schreibtisch zurückkehren zu dürfen.


ELIZA:
Märchen gehen immer gut aus, habe ich dir doch gesagt.

Bewertung: 8/10


Kommentare

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32 Antworten zu „Das jüngste Geißlein“

  1. Avatar von Katja Albert
    Katja Albert

    Oje, ein Ende auf Biegen und Brechen, vorher viel dämmriges Grau und der Entwurf einer geradezu besessenen Kinderpsychologin: anmaßend, unbezogen, egoistisch besitzergreifend vom Kind. 2 von 10 Punkten.
    Die Darstellung des Kindes jedoch hat mich beeindruckt: in einer Phantasiewelt gefangen, verfolgt von Wunschgeschwistern (die die Mutter gerne geboren hätte) und schemenhaften Erinnerungen an die ersten drei Lebensjahre in einer für das Kind unzugänglichen Welt. Eine schauspielerische Überraschung der Kinderdarstellerin.

  2. Lasst doch endlich Kinder aus Tatort und anderen Krimis oder müssen Pädophile noch geschult werden?

  3. Avatar von MikaelB

    Es wäre gut wenn sich Herr Gaul einmal ausländische Krimi-Produktionen ansehen würde. Britische, Schwedische, Amerikanische. Eine Sendung wird nicht spannend wenn man sie mit wirrer Musik versieht. Ich mag die Schauspieler, ich mag den Schwarzwald aber die Story war weder spannend noch unterhaltsam sondern depremierend!

  4. Avatar von Horst Horvath
    Horst Horvath

    Also die letzten Wochen mußte man schon gute Nerven haben, um den Tatort noch zu schauen. Ich habe es immer wegen der Ermittler-Teams gemacht. Ich mag die Teams aus Wiesbaden, Dresden und vor allem Freiburg sehr. Aber das alles war nun doch eine Nummer zuviel mit dem Fall aus Freiburg.
    Als Horror mag es noch durchgehen, aber ich will einen Tatort sehen ohne zerstückelte und verbrannte Leichen – waren hier zwar keine, aber in so vielen anderen Plots – und es war auch nie ein Wunsch von mir, Pathologe zu werden, sonst hätte ich diesen Berufsweg eingeschlagen.
    Ich will Sonntagabend unterhalten werden, mit Intelligenz, einer Prise Humor und bitte auch einer gewissen Logik folgend.
    Aber diese Tatorte im Moment – bei aller Liebe…

  5. Avatar von Erb Anja

    Mir bleibt unklar wie das kleine Mädchen die Mutter umbringen konnte, die durchs Fenster kam. Das Kind war doch im Uhrenkasten mit Kopfhörer.
    Und wie hat sie die Mutter in den Tiefkeller gebracht, ohne sie zu erkennen?

  6. Naiver Plot – Küchenpsychologie & und das farbloseste Tatort-Team…

    Mein Fazit: langatmig bis langweilig – Zeitverschwendung 👎🏻

    1. Ja, das Team finde ich auch nicht gut.

  7. Avatar von Sonja Gaul
    Sonja Gaul

    Zu düster, blöde Handlung, surreal.
    Ich kann’s nicht mehr sehen und ja: ich vermisse die „alten“ Tatorte. Obwohl großer Fan habe ich auf so einen Mist keine Lust mehr.
    Schade.

  8. Avatar von Monika Hemmerling
    Monika Hemmerling

    Sorry – auch dieser Tatort reiht sich ein in eine Serie von unglaubwürdigen konstruierten Stories, die langatmig inszeniert werden. Wann gibt es mal endlich wieder durchdachte bzw. wirklich spannende Tatortgeschichten??? Leider bisher jedesmal wieder eine Enttäuschung – sehr schade!!!?

  9. Für mich ein guter „Tatort“.Ich wurde gut unterhalten und das „Schwarzwald Team mag ich auch. Ich habe auch die Thematik sehr gut verstanden. Das Seelenleben eines Kindes das in einer so einer düsteren Umgebung aufwächst kann man nicht mit Stadtkindern vergleichen. Die Frage nach dem Transportauto? Es ist ein Film! Vielleicht sollte sich auch der SWR3 schon am Vormittag mit seiner Kritik am abendlichen „Tatort“ zurück halten. Hörer schon im voraus zu beeinflussen finde ich nicht gut! Das ärgert mich jede Woche. Für mich also 5Elche.

  10. Spannend aber….das Kind bringt 2 Menschen um und dann? was passiert mit ihr? Psychiatrie?
    Ich fand es spannend gemacht, aber da das Mädchen immer nicht vorhandene Kinder sieht, ahnt man schnell, se ist psychisch krank. Von der Atmosphäre her fand ich es sehr spannend. Das Ende passt aber nicht. Zack es war das Kind. Ende.

  11. Avatar von Gregor Koch
    Gregor Koch

    Ich fand den Plot interessant, gerade auch wegen der diversen ausgelegten falschen Spuren. Dagegen fand ich die eingeblendeten falschen Schwestern ebenso nervig, wie die nicht weiterführenden Rückblenden auf die tanzende Mutter, und auch die Musik hat mich eher gestört.

    Dafür hat mir die neu entfachte Dynamik zwischen Tobler und Berg Spaß gemacht. Nach den dramatischen Höhepunkten der letzten Schwarzwald-Krimis, nämlich dem beruflichen Zerwürfnis, der persönlichen Tragödie Bergs und Toblers (wenn auch pflichtgemäßem) Verrat zeichnet sich plötzlich wieder ein Lichtstreif am Horizont ab, bei dem Berg wieder zur Polizei, zu seinem Seelenfrieden und vielleicht auch wieder zu Tobler zurückfinden kann.

    Das alleine hat diesen Tatort schon genug Gewicht verliehen, um ihm eine gute Note auszustellen. Dass die Ermittlungsarbeit der KTU nicht auf der Höhe einer CSI-Folge war, ist durch das Format bedingt: es sind und bleiben nun einmal die Haupthelden diejenigen, die den Fall lösen; in Anwaltsserien sind das die Anwälte, in Forensik-Krimis die Forensiker und in Polizeiserien die ermittelnden Beamten. Einen Tiefkeller zu übersehen, von dem keiner weiß, dass es ihn gibt, ist menschlich genug, um nicht als Plothole zu stören …

  12. Avatar von Frank Kunkler
    Frank Kunkler

    Ich weiß nicht wer die Zielgruppe ist, aber mir sind die meisten Tatorte zu banal und einfältig. So auch dieser. Die Geschichte wird ungelenk schaurig dargestellt, die Schauspieler sind leider auch nicht wirklich überzeugend. Der einzige Grund den Tatort zu wählen ist hier der Schwarzwald, meine regionale Verbundenheit. Aber das kann doch nicht alles sein. Wo bleibt hier die Qualität? Beim Dresdner Tatort sind die Schauspieler wenigstens überzeugend, die Geschichten leider genauso banal und einfach konstruiert. Schade, wer entscheidet so etwas?

  13. Ich kann mich mit dem Schwarzwald-Team einfach nicht anfreunden. Mich hat es nicht abgeholt. 4/10

  14. Avatar von Walter Keller
    Walter Keller

    Spitze! Besser geht’s nicht!
    Endlich lohnt es sich mal wieder, Tatort zu gucken!

  15. Ein wirklich starker Fall aus dem Schwarzwald! Der Tatort war heute extrem spannend und atmosphärisch sehr dicht erzählt – für mich der besten Schwarzwald-Tatort den ich je gesehen habe.
    Ein Detail hat mich allerdings die ganze Zeit beschäftigt und ist mir nicht ganz klar geworden: Mit welchem Auto wurde eigentlich die Leiche des Stiefvaters an den See transportiert? Falls ich da etwas übersehen habe, helft mir gerne auf die Sprünge, aber dieser Punkt blieb für mich am Ende etwas offen.
    Ansonsten aber absolut top!

    1. Avatar von Christiano
      Christiano

      Die Mutter hat sich den Wagen der Psychologin geliehen, weil ihrer in der Werkstatt war. Dass der Hausarzt an seinem Fahrzeug das gleiche Reifenprofil hat, war Zufall (ein unnötig konstruierter, wie ich finde).

    2. Avatar von Gregor Koch
      Gregor Koch

      Wenn ich die kurze Andeutung am Ende richtig verstanden habe, hat die Mutter zum Transport der Leiche eine Schubkarre benutzt …

  16. Avatar von Dorothee Steinhoff
    Dorothee Steinhoff

    Sehr spannend,aber natürlich extrem unrealistisch.9 jährige Mädchen sind heute nicht mehr so.Sehr gute schauspielerische Leistung des Kindes.Die Kommissarin ist sehr sympathisch.Der nicht im Dienst tätige Kommissar auch.Gutes Team!!Wunderbare Aufnahmen der Filmgegend!

  17. Der Tatort war heute wirklich spannend. Wie kam aber die Leiche zum Wasser? Das Auto war doch in der Werkstatt…

    1. Avatar von Gregor Koch
      Gregor Koch

      Wenn ich die kurze Andeutung am Ende richtig verstanden habe, hat die Mutter zum Transport der Leiche eine Schubkarre benutzt …

  18. Ein Tatort so richtig nach meinem Geschmack. Die Vermischung der Märchenwelt mit der traurigen Lebenssituation in der Psyche der 9- jährigen Eliza ist spannend gemacht. Falsche Fährten werden gelegt und am Ende ist kaum zu glauben, dass die Kleine zwei Menschen auf dem Gewissen hat. Zu tief ist sie in ihrer Verstörtheit in das Märchen eingetaucht.

  19. Avatar von Streitenberger
    Streitenberger

    Es tut mir Leid, aber es war von vornherein klar, dass das Kind eine Doppelmörderin ist.
    Und Kind hin oder her- eine halluzinierende Person, die Mordaufträge von Phantasie- Gestalten erhält, zwei Menschen ermordet hat, gehört weg gesperrt, als Kind halt in die geschlossene Psychiatrie- bei nächster Gelegenheit mordet sie ja vielleicht wieder🙈

    Diverse Regiefehler: Die Kopfhörer waren mal blau, mal schwarz; gerade noch stapfte man durch Tiefschnee- im nächsten Moment regnete es wie aus Eimern.

  20. Einfach nur furchtbar. Vorallem die musikalische Untermalung. Und die Handlung, einfach alles. Schrecklich.

  21. Avatar von Jürgen Bäuml
    Jürgen Bäuml

    Wann werden die Intendanten der ARD-Sender entlassen?
    Dieser Tatort ist ein weiterer Beweis bezüglich der Unfähigkeit, uns Zwangsbeitragszahler eine menschliche Unterhaltung zu geben.

  22. Avatar von Hans B Meyer
    Hans B Meyer

    So ein grottenschlechter Scheiß.
    Einer der grottenschlechtesten Tatorts seit langem.
    Typisch deutsch verkopft. Nur noch kulturel peinlich.
    Eine Schande für unsere Gebühren.
    Warum ist es so schwer, vernünftige Unterhaltung FÜR UNS zu produzieren, statt so ein Scheiß?
    Was soll dieser Quatsch?
    Was denken sich so erwachsene Produzenten dabei?

    1. Avatar von Christiano
      Christiano

      „Tatorts“, hahaha!

      1. Nicht sein einziger Rechtschreibefehler, na ja!

  23. Wo sind die vernünftigen Tatorte von früher. Jede Woche werden die schlimmer.

    1. Avatar von Angelika J.
      Angelika J.

      Die guten Tatorte sind ausgestorben.
      Es leben die Geisterstunden, Märchen und andere schwachsinnigkeiten 😡.
      Wenn ein Kommissar vom Dienst beurlaubt ist, trotzdem immer wieder in die laufenden Ermittlungen einbezogen wird, kann so einiges nicht stimmen 😤.
      Der Zuschauer möchte ja keinen authentischen Fall aus dem wahren Leben sehen, aber wir Zuschauer möchten auch nicht für dumm verkauft werden.
      Vielleicht sollte man den Tatort endlich ganz einstellen. Dies war auf jeden Fall meine letzte Chance, die ich ihm gegeben habe 😱

    2. Ein grandioser Tatort, vielleicht der bisher beste aus dem Schwarzwald! Rudi Gaul stellt nach vielen tollen Filmen (vorrangig aus Stuttgart – „Ad Acta“ ist ihm nicht gelungen) erneut sein Talent unter Beweis.

      Atmosphärisch dicht erzählt Gaul eine Geschichte, die nicht nur am brutalen Grimm-Märchen inspiriert, sondern – wie sich am Ende herausstellt – sogar von diesem bedingt ist. Dabei wird das titelgebende „jüngste Geißlein“ zur Antriebsfeder, das Hanna Heckt (nicht nur für ihr Alter!) beeindruckend verkörpert.

      Gekonnt wird das Märchenmotiv mit weiteren Themen verwoben, etwa obzessivem Kinderwunsch und den Folgen grober Kindesvernachlässigung. Zudem wirkt das schockierende Finale aufgrund des fröhlichen Grundtons am Ende des Märchens umso verstörender.

      Fantastische Kameraaufnahmen und stimmungsvolle Musik runden das positive Gesamtbild ab.

      Auch die sonst nervtötenden Kommissare können hier überzeugen. Tobler ist zwar anfangs in etwa so sensibel wie eine Dampfwalze, schlägt aber gegen Ende versöhnliche Töne an. Berg wiederum reagiert schlüssig auf den Tod seines Bruders, ist trotz Suspendierung mitten im Geschehen – und bringt wenigstens etwas Heiterkeit in den Krimi, indem er (wohldosiert) eine kindisch verspielte Version von „Bruder Jakob“ in die Kamera posaunt. Seine Vertrauensbeziehung zum Mädchen erinnert an Perlmanns Rolle im grandiosen Fall „Rebecca“.

      Der einzige Wermutstropfen in diesem fantastischen Tatort ist, wie schon in „Verblendung“, die Logik. Zum Beispiel kann sich die Psychologin unverhältnismäßig frei im Kinderheim bewegen und das Kind sogar mitnehmen, was in der Realität (hoffentlich!) ausgeschlossen wäre. Auch ist die Verzögerung der Auflösung nur durch die unwahrscheinlich schlampige Arbeit der Spurensicherung zu erklären.

      Unterm Strich handelt es sich dennoch um einen extrem starken Fall: Auch von mir 8/10 Punkte mit positiver Tendenz!

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