Bild: BR/NEUESUPER GmbH/Hendrik Heiden

Unvergänglich (2)

Folge 1334

6. April 2026

Sender: BR

Regie: Sven Bohse

Drehbuch: Johanna Thalmann, Moritz Binder

So war der Tatort:

Standesgemäß, zum Zweiten – und gleichzeitig zum Letzten.

Fall Nr. 100 ist nämlich der letzte der Münchner Hauptkommissare Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl), obwohl die sich auf der Zielgeraden von Unvergänglich (1) vor den Toren des Präsidiums schon steif in den Ruhestand verabschiedeten: In Teil 2 der Doppelfolge sind sie noch einmal an vorderster Front gefragt. Leitmayr wollte zwar ursprünglich als Dozent an der Polizeihochschule einer geregelten (Weiter-)Beschäftigung nachgehen und seinen Porsche 911 Targa reparieren, Batic „schön leben“ und sich die Sonne Kroatiens auf das weiße Haupthaar scheinen lassen – doch nach einer Sprachnachricht der im Vorgänger mordverdächtigen Kara Roth (Lara Feith), der Leitmayr ein Versprechen gegeben hat, begraben die beiden ihre Pläne und kehren schnurstracks zurück ins Büro.

Dort macht ihr langjähriger Ziehsohn und gestresster Kollege Kalli Hammermann (Ferdinand Hofer), dem diesmal weniger Kamerapräsenz vergönnt ist, inzwischen die Ansagen – und ist über die Rückkehr der Pensionäre nur so lange erfreut, wie sie ihm keine Zusatzarbeit bescheren. Batic und Leitmayr bleibt nichts Anderes übrig, als ohne Dienstausweis allein loszuziehen – was sich zunächst nicht ganz so aufregend gestaltet wie Teil 1 der Doppelfolge, die am Ostersonntag 2026 auf Sendung ging. Die sommerlichen Ausflüge der beiden Ruheständler – etwa ins Cleraringhaus oder zum gemeinsamen Brezn-Frühstück – muten bisweilen wie eine heitere Episode der Rentnercops an, die mit ihrer seichen Tonalität im Vorabendprogramm gut aufgehoben waren. Den Thrill, den Unvergänglich (1) vor allem in der Auftakt- und der Schlussviertelstunde entfachte, liefert die Fortsetzung erst später.

In seinen gemütlichsten Momenten hat der zugleich zurückhaltender vertonte Unvergänglich (2) sogar etwas Epiloghaftes – eine Art Bonbon für die verdienten Schauspieler und übrigen Beteiligten an der Münchner Tatort-Produktion. Die Gastauftritte bayrischer Schauspielender, die schon zu Veigl-Zeiten Tradition waren (etwa in Weißblaue Turnschuhe) passen da ins Bild: Nachdem in Unvergänglich (1) unter anderem Mira Mazumdar aus der BR-Familienserie Dahoam is Dahoam mitwirkte, sind diesmal der aus den Eberhoferkrimis bekannte Gerhard Wittmann (als Waschanlagenbetreiber Constantin Zieringer) oder die in einigen BR-Formaten mitwirkenden Maxi Schafroth (als Dokumentenfälscher Stutzki) und Max Schmidt (als gutverdienender Mechaniker Detlef) dabei.

Während die Begegnungen mit Stutzki und Detlef den humorvollen Zwischentönen dienen, bei denen die witzigsten Momente auf Max Schmidts Konto gehen, ist Wittmanns Zieringer tief in den Fall um einen großangelegten Captagon-Handel verwickelt. Wenngleich auch der Mordfall aus einer neuen Perspektive betrachtet wird, rücken die Drogengeschäfte in den Vordergrund. Das Drehbuchautorenduo Johanna Thalmann und Moritz Binder, das auch das Drehbuch zu Teil 1 schrieb, nutzt die Gelegenheit zudem für eine stimmig eingeflochtene Rückkehr von Carlo Menzinger (Michael Fitz): In einer Tiefgarage gibt es mit dem Ex-Kollegen von Batic und Leitmayr, der sich 2007 in Der Traum von der Au dank einer üppigen Erbschaft nach Thailand verabschiedete, das mit Spannung erwartete Wiedersehen.


LEITMAYR:
Ich denke, du bist in Thailand und verprasst deine Millionen?

MENZINGER:
Mei, man ist ja dann doch schneller wieder drin als man denkt.

Generierte sich die Spannung im 1333. Tatort in erster Linie aus den Ermittlungen im Mordfall und der Jagd auf das flüchtige Pärchen, ist es im 1334. Tatort – erneut unter überzeugender Regie von Sven Bohse (Wir kriegen euch alle) – auch die strapaziöse Odyssee der zunehmend in die Enge getriebenen Kara: An ihre Fersen heftet sich der eiskalte Killer Stefan Mathes (Erik Markus Schuetz), dem der ahnungslose Batic schon im Vorgänger auf einem Flur begegnete, ohne zu wissen, wer da vor ihm steht. Kara reißt auch die Dealerin Julia (Amélie Leclère) mit in den Abgrund und weiß das Publikum bei ihrem Versteckspiel in München auf ihrer Seite.

Ansonsten sind es natürlich Batic und Leitmayr, die mit ihren köstlichen Frotzeleien („Durch die Hose keine Diagnose!“) und Eitelkeiten den oben genannten Schwächen zum Trotz in diesem Tatort die Kohlen aus dem Feuer holen und bei einer nächtlichen Prügelei auch dahingehen, wo es weh tut. Wortwitz und Situationskomik sind etwas stärker gewichtet als im Vorgänger, werden aber zuverlässig und meist schnell vom nächsten Spannungsmoment abgelöst. Auch die Querverweise auf andere Folgen kommen erneut nicht zu kurz: Neben der stimmungsvollen Fahrt im legendären roten Porsche, den Leitmayr im durchwachsenen Erstling Animals und bei zwei weiteren Tatort-Auftritten fuhr, wird auch Dackel Luki aus Hackl noch einmal geherzt.

Am Ende steht damit ein würdiger Abschluss einer bis dato einmaligen Tatort-Erfolgsgeschichte, deren stolze Anzahl von 100 Folgen auf absehbare Zeit nur die Kölner Tatort-Kollegen Max Ballauf und Freddy Schenk übertreffen könnten: Die finale Doppelfolge ist zwar nicht der beste Fall der bayrischen Urgesteine, aber eine von bemerkenswert vielen guten. Ehe sich der Kreis zum Erstling mit „Only You“ endgültig schließt, wird es beim großen Showdown im Tivoli-Kraftwerk noch einmal ähnlich dramatisch wie im Cliffhanger-Meilenstein Am Ende des Flurs oder in der überragenden Die Wahrheit-Fortsetzung Der Tod ist unser ganzes Leben: Das TV-Publikum darf ein letztes Mal um das Überleben der bayrischen Kommissare fürchten, mit denen es 35 Jahre lang alt geworden ist – oder zumindest älter.

Pfiat euch, Ivo und Franz – und herzlichsten Dank für 100 Krimis!

Bewertung: 7/10


Kommentare

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18 Kommentare zu „Unvergänglich (2)“

  1. Avatar von Ria xper

    Der möchtegern Kritiker, der diesen respektlosen Artikel geschrieben hat, hat damit das Todesurteil von wiewardertatort.de erfasst.

    Ich werde diese Seite nie mehr besuchen

  2. Avatar von Stefan Weber
    Stefan Weber

    Den Abschied der beiden altgedienten mit einer Doppelfolge zu würdigen verdient meinen Respekt. Das huldigt ihnen allemal.

    Die Story fand ich auch gelungen. Hatte Wendungen die mich gut unterhielten.

    Mich stört es auch nicht sonderlich, wenn manche Details nicht immer so ganz vollkommen der Realität entsprechen, es sind halt Filme !

    Am Ton der Folge eine Kritik festzumachen, finde ich traurig.

  3. Avatar von arricari
    arricari

    War schon schön. Ging es doch diesmal in erster Linie um den Abschied der beiden altgedienten Kommissare von der Tatort-Leinwand. Da war die Geschichte eher zweitrangig. Sollte ich tatsächlich der einzige sein, der keine Probleme mit der Sprachverständlickeit hatte?

  4. Avatar von Harald keck
    Harald keck

    Das Thema Bed&Breadfast, in der Realität AirBnB, war schlecht recherchiert.
    1. AirBnB Vermieter sind nicht gezwungen ausschließlich über AirBnB zu vermieten, insofer ist es nicht illegal, wenn sie selbstständig auf eigene Rechnung vermieten.
    2. Wenn ein Vermieter eine Wohnung auf eigene Rechnung vermietet, würde er in diesem in der Realität im AirBnB-Kalender die Wohnung blockieren, damit eben kein zweiter Gast auftauchen kann. Insofern ist ein wichtiges Detail im Film falsch und unrealistisch.
    3. Außerdem würde es einem Wohnungsvermieter sofort auffallen, wenn eine leere Wohnung anderweitig benutzt werden würde, denn von der Sauberkeit einer Wohnung hängt die Bewertung ab. Es würde sofort auffallen.

    Abgesehen von diesen unlogischen Details war der erste Teil noch irgendwie spannend, im zweiten Teil wurde dann nur noch abgeleert, es ging nur noch in Richtung Homage und Rosenheimkrimi.

  5. Avatar von Starchild
    Starchild

    Grauenhaft schlechte Qualiät beim „Tongemische“ …nahezu katastrophal.
    Soviele Male haben wir es hier drin erwähnt doch die Redaktionen der Tatort Reihe wollen es einfach nicht wahrhaben.

  6. Avatar von Gregor Koch
    Gregor Koch

    Während Batic und Leitmayr im ersten Teil von „Unvergänglich“ nur müde und halbherzig ermittelten, dieweil sie sich gegenseitig von ihren großen, aber unausgegorenen Plänen für den Ruhestand vorschwärmten – nur, um sich nicht eingestehen und nicht aussprechen zu müssen, dass ihnen der jeweils andere furchtbar fehlen werde, weil er längst zum Freund geworden ist -, ist es im zweiten Teil genau umgekehrt: beide genießen ihren Ruhestand nur müde und halbherzig und stürzen sich deshalb umso freudiger wieder in die Ermittlungsarbeit. So wird „Unvergänglich 2“ wohlmöglich nicht zum Abschied von dem Ermittlerduo, sondern zum Einstand einer neuen Serie, die vielleicht den Titel „BL ermittelt“ tragen könnte.

    Dabei lässt sich der Start in das neue Leben als Privatdetektiv (unter der Sonne Kroatiens?) eher holprig an. Die beiden lassen sich von drei Halbstarken aufmischen, observieren so ungeschickt, dass sie bemerkt werden, ohne es zu bemerken, führen den Killer so ungewollt zu seinem nächsten potentiellen Opfer und entgehen zweimal nur durch Glück – und das ist noch untertrieben – dem Tode. Aller Anfang ist eben schwer, auch nach 35 Berufsjahren.

    Der Fall ist auch in „Unvergänglich 2“ nicht der Rede wert, er schleppt sich träge und zäh dem Ende entgegen. Das aber ist ein happy end, denn auch wenn die beiden nicht aus der Wortlosigkeit ihrer emotionellen Halsstarrigkeit herausfinden, so erkennen und akzeptieren sie jedoch zum Schluss wenigstens, dass aus ihnen längst schon Partner fürs Leben geworden sind; wenn auch nur, weil das Leben ihnen sonst offenbar nichts zu bieten hat.

    Für die Figuren freut es mich, und sollten Batic und Leitmayr privat unter Kroatiens Sonne weiter ermitteln, soll es mir recht sein. Als Tatort aber war „Unvergänglich 2“ für mich auch nur eine 2/10; nicht zuletzt auch deswegen, weil wegen der Fokussierung auf die Paardynamik von Batic und Leitmayr alle anderen Figuren zu kurz kamen …

  7. Avatar von Streitenberger
    Streitenberger

    Super Tatort.
    Keine Erziehungsmaßnahmen zum Gendern, kein aufgesetztes Multikulti, keine Migrationsgeschichten- einfach ein normaler bayerischer Tatort.
    Schade,dass die Beiden weg sind, wenn auch unumgänglich.
    So ist das Leben.

    1. Avatar von SchwarzS
      SchwarzS

      Sie wissen schon, das Batic Kroate ist? Sowohl in Rolle als auch im realen Leben?

  8. Avatar von Michael

    Der letzte Münchner Tatort (Teil 2) war leider mit großem Abstabd der Schwächste. Man hätte nach Teil 1 Schluss machen sollen. Mochte die beiden Kommissare sehr gerne, aber die letzte Folge war unnötig.

  9. Avatar von

    Unfassbar unwürdiges Ende für die zwei. Leider sehr schlecht. Man hätte es bei Teil 1 belassen sollen…

  10. Avatar von

    Großartig !!! und schön das die Kommissare nicht den üblichen Tatort Tod sterben mussten.

  11. Handlung und Schauspieler super Note 1,
    die Abmischung der Hintergrundmusik und der weiteren Unterhaltung der Mitwirkenden eine Katastrophe Note sechs. Mit der Fernbedienung in der Hand zum laut und leise schalten macht kein Spass.
    Den Tonmeister muss man entlassen.

    1. Avatar von Michael

      Ton hin und her…die ganze letzte Folge war einfach nur Mist. Da hötte auch ein guter Ton nicht geholfen.

  12. Avatar von Detlev Schirmer
    Detlev Schirmer

    Bravo, das die bayrischen Langweiler (west) so einen grandiosen Abgang im ÖRF bekommen haben und der Polizeiruf mit Schmücke aus Halle (ost) sang und klanglos vom Bildschirm verschwunden ist. Vielleicht haben wir die Aufnahmen in Kroatien auch noch finanziert. Ich bin froh, das die jetzt weg sind…

  13. Avatar von Karin Nolte
    Karin Nolte

    Unvergänglich, das war der beste Tatort ever.

  14. Die 2 in ihrem letzten Fall, bevor sie Privatdetektive werden… ehrlich? 😂 Spannender und manchmal etwas verwirrende Geschichte. Dann kommt sogar noch der ehemalige Kollege vom BKA in, letzter Sekunde? Schon etwas viel Zufälle.
    Und jetzt was negatives… ein Tatort mit dem allerschlechtesten Ton… teils so leise daß man nicht verstand was geredet wurde und dann wieder Musik so laut… gehts noch? Haben, Eure Tontechniker Leim gegessen? 😖

    1. Avatar von

      Nee, Lack gesoffen

  15. Avatar von Hahnel

    Ausnahmsweise ein guter Tatort. Allerdings ist es traurig, wenn langjährige Kommissare von einem Tag auf den anderen als alte Rentner dargestellt werden. Die Beiden haben sicher einen anderen Abgang verdient. Haben sie das Drehbuch tatsächlich so akzeptiert?

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