Folge 584
2. Januar 2005
Sender: SWR
Regie: Arend Agthe
Drehbuch: Felix Huby, Dieter de Lazzer
So war der Tatort:
Brandheiß.
Bienzle und der Feuerteufel spielt nämlich – der Folgentitel lässt es erahnen – zu großen Teilen unter engagierten Feuerwehrleuten, die für die Stuttgarter Berufsfeuerwehr in diesem Tatort mehrfach zu brennenden Häusern ausrücken: In der Landeshauptstadt treibt seit Monaten ein Brandstifter sein Unwesen, der bisher nicht geschnappt werden konnte. Seine Anschläge fallen allerdings erst bei der vierten Zündelei in den Zuständigkeitsbereich von Hauptkommissar Ernst Bienzle (Dietz-Werner Steck) und seinem Kollegen Günter Gächter (Rüdiger Wandel): Anders als bei den ersten drei Taten ist ein Todesopfer zu beklagen, das die Feuerwehrleute fast bis zur Unkenntlichkeit verkohlt aus einem brennenden Gebäude zerrt.
Entsprechend schnell kommt der zwanzigste Bienzle-Tatort auf Betriebstemperatur. Die Eröffnungssequenz unter Regie von Arend Agthe, der nach den überzeugenden Fällen Bienzle und der heimliche Zeuge und Bienzle und der süße Tod zum dritten Mal für einen Stuttgarter Tatort am Ruder sitzt, wirft uns direkt rein ins hektische, doch eingespielte Treiben auf der Feuerwache 1 Süd. Jeder Handgriff sitzt, jeder Mann im Team von Wachenchef Klaus Stöckle (Jürgen Haug, Bienzle und der Tod in der Markthalle) weiß genau, was er zu tun hat. Und doch ahnen wir früh, dass in der am Einsatzort blendend harmonierenden Truppe nicht alles koscher ist: Unabgestimmte Alleingänge, Provokationen beim Feierabendbier und barsches Abtun unangenehmer Kripo-Fragen lassen uns aufhorchen.
Auch Bienzle riecht Lunte – dazu ist er erfahren genug. Hat er bei den Ermittlungen erstmal Feuer gefangen, lässt ihn das Fahnden nach dem Täter nicht wieder los. Diese Erfahrung macht im 584. Tatort etwa Feuerwehrmann Paul Henzler (Bernd Gnann, Bienzle und die blinde Wut), der auf Pump ein Haus baut und verzweifelt versucht, seine Frau Sylvia (Ulrike C. Tscharre, Rabenherz) und die gemeinsamen Kinder zurückzugewinnen. Aber auch die rumänische Investigativjournalistin Rosita Ianescu (Yekaterina Medvedeva, Weiter immer weiter), die pikanterweise ihre osteuropäische Herkunft mit dem Toten teilt: An ihre Fersen heftet sich auch Gächter, der damit erneut – man denke zurück an seine Affäre im dramatischen Fall Bienzle und der Zuckerbäcker – ein Auge auf eine Tatverdächtige wirft.
Das hohe Tempo und die Dynamik der Einleitung und einiger weiterer, temporeicher Brand- und Actionsequenzen kann der Krimi allerdings nicht den gesamten Film über halten – und das liegt einmal mehr auch an Bienzles Lebensgefährtin Hannelore Schmiedinger (Rita Russek). Die findet im Drehbuch von Stammautor Felix Huby, der sich wie schon beim Erstling Bienzle und der Biedermann Unterstützung von Dieter de Lazzer für die Geschichte geholt hat, nämlich wieder einen festen, wie immer sehr entschleunigenden Platz – und muss sich diesmal gegenüber einem Ladendetektiv (Thomas Lang) und zwei Polizeibeamten des Vorwurfs erwehren, sie hätte in einem Kaufhaus eine teure Halskette mitgehen lassen.
Was diesen Nebenkriegsschauplatz so ärgerlich macht, ist nicht allein der seichte Erzählton, der uns immer wieder aus dem eigentlich spannend vorgetragenen Kriminalfall reißt: Hannelores vermeintliches Vergehen ließe sich einfach direkt an Ort und Stelle durch die Sichtung von Filmmaterial einer Überwachungskamera entkräften und wirkt von Beginn an völlig konstruiert. Die Tatsache, dass die zickige Vollzeitmalerin ihrem Bienzle eine unüberlegte Bemerkung tagelang schmollend nachträgt, macht die Sache dabei nicht glaubwürdiger. Erfreulicherweise hält Bienzle auf der Zielgeraden des Krimis endlich einmal dagegen und macht seiner besseren Hälfte eine klare Ansage. Na also, es geht doch!
Gelungener und deutlich witziger erzählt sind da die obligatorischen, inzwischen fest in den schwäbischen Tatort-Folgen verankerten Treppenhaus-Begegnungen mit dem argwöhnisch-neugierigen Rominger (Walter Schultheiß): Bienzles Vermieter fordert in diesem Tatort allen Ernstes, der Kommissar möge die Treppenstufen doch bitte nur noch ganz innen und ganz außen betreten, damit sie sich in der Mitte nicht so stark abnutzen. Der Kommissar reagiert nicht nur verdutzt, sondern angemessen deutlich – auf so eine absurde Idee kann wohl nur ein schwäbischer Geizkragen kommen. So viel Klischee darf sein.
Leider bedienen die Filmschaffenden die Klischees auch an anderer Stelle: Weil außer der rumänischen Journalistin nahezu alle tatverdächtigen Personen für die Feuerwehr arbeiten, kristallisiert sich früh heraus, dass der Brandstifter aus den eigenen Reihen stammt. Da kann Feuerwehrchef Stöckle noch so vehement gegen das Offensichtliche ankämpfen und das Vorurteil beim Namen nennen. So abgegriffen das Tatmotiv, so knifflig zu beantworten ist aber die Auflösung der Täterfrage – schließlich legt das Drehbuch mit undurchsichtigen Nebenfiguren wie dem seltsam interessierten Chemielehrer Dr. Siever (Michael Trischan, Eine ehrliche Haut) auch Strohfeuer, die erfolgreich vom wahren Täter ablenken.
Bewertung: 5/10


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