Bild: SWF

Playback oder Die Show geht weiter

Folge 38

17. März 1974

Sender: SWF

Regie: Rolf von Sydow

Drehbuch: Henner Höhs

So war der Tatort:

Heidi Brühl zentriert.

Die unter anderem aus Die Mädels vom Immenhof bekannte Schauspielerin und Sängerin ist damals auch international eine Berühmtheit und spielt sich in Playback oder Die Show geht weiter einfach selbst: Brühl reist im Film aus Las Vegas zu Aufnahmen für eine – in den 70er-Jahren häufige – Personality-Show in die SWF-Studios nach Baden-Baden. Bei der Ankunft auf dem Stuttgarter Flughafen stürzt ein Koffer in direkter Nähe der Sängerin und ihrer Entourage über eine Brüstung und verletzt einen Mann schwer. Unfall oder Anschlag?

Uns, dem Fernsehpublikum, ist das sofort klar – der an den Tatort gerufene, in der Landeshauptstadt zuständige Kommissar Lutz (Werner Schumacher) rätselt allerdings noch. Im Kurort an der Oos, in den die Künstlerin und ihre Begleitpersonen alsbald weiterreisen, übernimmt dann Kollege Gerber (Heinz Schimmelpfennig) mit seinem Assistenten, dem Kriminalmeister Ihle (Peter Bongartz), durchaus widerwillig die Betreuung der Truppe.


GERBER:
Morgen wirst du eine schöne Frau beschatten.

IHLE:
Ah, das Mädel vom Immenhof.

GERBER:
Hä?

Bis zum zweiten Anschlag mithilfe einer manipulierten Orgel ist das eine hübsche Grundidee für das erste (und zugleich letzte) Tatort-Drehbuch des Südwestfunk-Redakteurs Henner Höhs. In der folgenden Handlung greift er allerdings vor allem auf Versatzstücke zurück, die so oder ähnlich in zu vielen anderen Krimis zu finden sind und das Geschehen nicht wirklich voranbringen. Ein Barkeeper (Nino Korda, Kressin stoppt den Nordexpress) gerät dabei unter Verdacht – und zwar bei einer Erpressung, bei der die Stimme den Anrufer allzu schnell erkennen lässt (ähnlich wie später in Die Kommissarin: Alptraum). Dieser Teil des Films ist mit wunderbaren Aufnahmen vom alten Bahnhof in Baden-Baden illustriert, incl. eines ET 56.

Schließlich sind es aber jede Menge persönlicher, beruflicher und privater Eifersüchteleien und Differenzen, in denen sich der eigentlich hochkarätig besetzte Krimi verirrt und nicht mehr zurück in die Spur findet. Sehr plakativ breiten die Filmemacher dabei aus, wie der Laie sich das Leben als Star so vorstellt: Ein Mercedes-Benz 600 Pullmann [W100], der obligatorische Besuch im berühmten Casino Baden-Baden, Alkoholkonsum in der Hotelbar und natürlich viele andere Allüren von Sängerin und Musikern.

Der Manager Harry May (Alexander Hegarth, Die Samtfalle), der Bandleader Rob Leuwen (Eckart Dux, Tödliche Blende) und der Pianist Bert Schlesinger (Udo Vioff, Spätlese) sind sich einander alle in Neid herzlich abgeneigt. Gleiches gilt für Regisseur Max Rosendahl (Arthur Brauss, Tote brauchen keine Wohnung) und Backgroundsängerin Lill (Christiane Krüger, Trimmel und Isolde), die auch Berts Freundin ist. Eigentlich sind sich alle überdrüssig, spielen die vermeintlichen Macken und Marotten von Kunst- und Fernsehschaffenden allerdings seltsam blutleer. Letztlich ist es vor allem Heidi Brühl, der es nicht gelingt, sich authentisch selbst darzustellen.

So eröffnet der 38. Tatort uns zwar einen recht glaubwürdigen Blick hinter die technischen Kulissen einer musikalischen Fernsehproduktion der damaligen Zeit, scheitert aber sehr früh, weil das Buch den 88 Minuten langen Film dramaturgisch einfach nicht trägt. Zudem scheinen sich weder die Schauspieler noch der routinierte Krimiregisseur Rolf von Sydow (Tod eines Einbrechers) entscheiden zu können, ob sie den Film nun als Persiflage des Showgeschäfts oder als ernste Auseinandersetzung mit ihm ausrichten wollen. An ähnlicher Stelle missglückt das später – neben allen anderen Mängeln – auch in Ein Hauch von Hollywood.

Was bleibt also von diesem Film? Vor allem zwei Gesangnummern: Zum einen Da war meine Liebe schon vorbei und zum anderen das vom Leiter des SWF-Tanzorchesters Rolf-Hans Müller (um-)arrangierte Sing, sing, sing a Song. Dieses Stück untermalt auch den umfangreichen Abspann, der in den ersten Gerber-Tatorten üblich ist. Für einen Krimi in der Musikszene eine bemerkenswert knappe Ausstattung mit Liedern – auch deshalb, weil das Proben, Neu-Lernen, Komponieren und Arrangieren der immer selben Songs einen ganz wesentlichen Raum im Film einnimmt.

Wie bereits in Cherchez la femme oder die Geister vom Mummelsee bleibt für den erneut vornamenlosen Gerber deshalb nicht mehr viel Platz, um seine Rolle als Kommissar mit Leben zu füllen. Unaufgeregt überführt er schließlich den Täter, indem er immer wieder eine kurze MAZ-Sequenz abspielen lässt. Insofern ist das „oder“ im Filmtitel allein der Angleichung an den Vorgänger-Tatort geschuldet, denn die Show geht ja in jedem Fall weiter.

Bewertung: 4/10


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