Folge 49
16. März 1975
Sender: SWF
Regie: Rolf von Sydow
Drehbuch: Rolf von Sydow, Herbert Lichtenfeld (Idee)
So war der Tatort:
Mit einem aus der Zeit gefallenen Ermittlerbild dargestellt.
Nachdem der SWF-Kommissar Gerber (Heinz Schimmelpfennig) in den ersten beiden Fällen Cherchez la femme oder Die Geister vom Mummelsee und Playback oder Die Show geht weiter nur eine Nebenrolle ausfüllen durfte, versucht Regisseur Rolf von Sydow, der bereits den zweiten Gerber-Fall inszenierte, in seinem ersten eigenen Tatort-Drehbuch den Ermittler und die Polizeiarbeit stärker ins Zentrum des 85-Minüters zu stellen. Routinier Herbert Lichtenfeld, von dem die Idee zur Geschichte stammt, ist allerdings wie so oft (vgl. Strandgut oder Streifschuss) eher an den Tücken und Konsequenzen eines Beziehungsgeflechts interessiert – und so kommt der 49. Tatort fast zwangsläufig ein wenig unentschieden daher.
Der Krimi startet mit einer folgenreichen Nacht im Villenviertel von Baden-Baden: Birgit Oppermann (Judy Winter, Reifezeugnis) und Rolf Frick (Dietmar Schönherr, Tod im All) liegen gemeinsam im Bett. Sie haben eine Affäre. Ehemann Harald Oppermann (Werner Bruhn, Zweikampf) befindet sich derweil auf Geschäftsreise. Nachts steigt plötzlich ein Einbrecher in die Villa der Oppermanns ein und wird von Frick, der durch ein Geräusch wach wird, erschlagen. Um die Tat zu vertuschen, bringt Frick die Leiche aus dem Haus. Schnell stellt sich nach dem Auffinden der Leiche die Identität des Einbrechers heraus – Gerber kann darüber hinaus klären, dass nacheinander in mehrere Häuser in der Nachbarschaft eingebrochen wurde.
Der skrupellose Geschäftsmann Harald Oppermann ist nun offenbar nicht ganz ahnungslos, was das Verhältnis seiner Frau mit seinem beruflichen Partner und Freund angeht. Und so wird die Handlung zunehmend von einem Duell zwischen Frick und Oppermann bestimmt: Der moralisch einwandfrei denkende Frick, der seinen Kompagnon nicht von kriminellen Exportgeschäften abhalten kann, wird zum Ehebrecher und begeht zur Vertuschung einen Totschlag. Sein Versuch, sich aus der Situation zu befreien, und die Bemühungen des betrogenen Ehemanns, aus Fricks misslicher Lage Vorteile für sich zu ziehen, führen allerdings dazu, dass sowohl Gerber als auch Birgit Oppermann als Agierende aus dem Fokus geraten, wenngleich sie die Weiterentwicklung bzw. Aufklärung vorantreiben.
Die bei weitem stärkste Rolle in dieser zentralen Auseinandersetzung füllt dennoch Schauspielerin Judy Winter aus. Ähnlich angelegt wie im schon erwähnten Tatort Reifezeugnis, zu dem ebenfalls Herbert Lichtenfeld das Drehbuch schrieb, ist es ihre Figur, bei der die Fäden zusammenlaufen. Trotz ihrer Zurückhaltung lässt sie das Publikum mitfühlen, sogar mitleiden, obwohl sie ja ebenfalls am Ehebruch beteiligt und Mitwisserin beim Totschlag ist. Das alles erinnert ein wenig an den fünf Jahre später entstandenen, noch deutlich überzeugenderen NDR-Tatort Alles umsonst: Eigentlich wünschen wir uns geradezu, dass das Pärchen ungeschoren davon kommt und von nun an ein glückliches Leben führen kann.
Gerbers Auftreten in Tod eines Einbrechers reduziert sich auf routinierte Polizeiarbeit, Befragungen und detektivisches Kombinieren. Gleichzeitig gewährt das Drehbuch auch Einblicke in seine Ehe und das ihr innewohnende Rollenverständnis, das schon Mitte der 70er-Jahre völlig überholt wirkt. Exemplarisch dafür steht eine Szene am Frühstückstisch, in der Gerbers Ehefrau (Ilsemarie Schnering, Wenn Steine sprechen) ihrem Gatten Brote schmiert und der Kommissar ihr hinter der Tageszeitung verschanzt eine nuschelnde Antwort gibt:
Schließlich wird dem bis dato vornamenlosen Ermittler, von dem wir durch diesen Dialog den Vornamen Wilhelm erfahren, in diesem dritten Fall und den zwei folgenden Filmen Kassensturz und Finderlohn auch noch der Kriminalhauptkommissar Huck (Werner Feißt) vorgesetzt. Der formuliert die Anfragen an scheinbare Behäbigkeiten des alt-erfahrenen Ermittlers, muss aber ein ums andere Mal zugestehen, dass Gerber jeweils auf der richtigeren Spur ist.
Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang noch, dass Regisseur und Drehbuchautor Rolf von Sydow – seit dem 1. Januar 1973 auch Chef des Fernsehspiels beim Südwestfunk – sich in einem autobiografischen Text zu erinnern meinte, bereits unmittelbar nach Amtsantritt eine weibliche Ermittlerin für den Tatort ins Spiel gebracht zu haben, um das Bild des Kommissars zu modernisieren bzw. aktualisieren. Bis zum Dienstantritt der Mainzer Kommissarin Marianne Buchmüller (Nicole Heesters), dann ebenfalls in Diensten des SWF, dauert es allerdings noch knapp drei Jahre.
Bewertung: 6/10


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