Bild: BR/NEUESUPER GmbH/Hendrik Heiden

Unvergänglich (1)

Folge 1333

5. April 2026

Sender: BR

Regie: Sven Bohse

Drehbuch: Johanna Thalmann, Moritz Binder

So war der Tatort:

Standesgemäß, zum Ersten.

Ihr 99. Fall ist für die altgedienten Münchner Hauptkommissare Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) nämlich nicht irgendein Tatort, sondern der erste Teil einer Doppelfolge, die am Osterwochenende 2026 auf Sendung geht und das schon lange im Vorfeld kommunizierte Ende ihrer beispiellosen Erfolgsära mit großem Besteck krönt: Wenngleich Unvergänglich (1), dessen Handlung vier Tage vor ihrer wohlverdienten Pensionierung startet, unterm Strich nicht ganz mit den zahlreichen Hochkarätern aus der Isarstadt mithalten kann, bringt der Krimi doch nahezu alles mit, was man den inzwischen ergrauten Kriminalisten, die 1991 mit Animals ihren Einstand gaben, für ihren Abschied wünschen würde.

Zuallererst einen spannenden Mordfall, der Erinnerungen an den elektrisierenden Kieler Meilenstein Borowski und der stille Gast weckt und den sie gemeinsam mit ihrem designierten Nachfolger Kalli Hammermann (Ferdinand Hofer), Assistent Ritschy Semmler (Stefan Betz, erstmalig seit Schau mich an wieder dabei) und der neuen Rechtsmedizinerin Dr. Roswitha Schwarzfischer (Eva Karl-Faltermeier) lösen müssen: In einem Betriebsraum unter dem St.-Quirin-Platz wird die verkohlte Leiche der erschossenen Micaela Horvat (Cecilia Diesch, Aus dem Dunkel) gefunden, die vor ihrem Ableben ungebetenen Besuch in vermeintlich sicheren vier Wänden erhalten hat. Schnell steht der Verdacht im Raum, dass ein mörderisches Phantom durch Mietwohnungen schleicht, die über ein Online-Portal gebucht werden können.

Und dann sind da viele augenzwinkernde Querverweise auf frühere Folgen wie Norbert oder KI, Leitmayrs roter Porsche und Batic‘ BVB-Tasse, Cameo-Auftritte wie der von BR-Mitarbeiterin Gesine Pucci und herzliche Wiedersehen, mit denen Teil 1 der Doppelfolge ebenso wenig geizt wie Teil 2: Der langjährige Kollege Carlo Menzinger kommt in Unvergänglich (1) zwar vorerst nur auf Fotos vor, dafür greift aber die frühere Fallanalytikerin Christine Lerch (Lisa Wagner, letztmalig 2016 im überragenden Fall Die Wahrheit mit von der Partie) Batic und Leitmayr im Präsidium, wenn auch nicht ganz freiwillig, unter die Arme. Die Begegnung mit ihren früheren Vorgesetzten sorgt für mehrere Lacher – und es ist einfach ein herrliches Bild, wie die in die USA ausgewanderte Lerch im Out-of-Bed-Look verkatert von den Kommissaren zum Sichten von Akten verdonnert wird und sich nur halbherzig gegen das Spontan-Profiling wehrt.


LEITMAYR:
Vielen Dank, dass du nochmal vorbeikommst.

LERCH:
Ich bin nicht so richtig in der Lage zu arbeiten, aber …

LEITMAYR:
… du freust dich einfach, dass du uns nochmal sehen darfst. Gell?

Kalli Hammermann, der 2014 im Meilenstein Am Ende des Flurs debütierte und seitdem nur 2022 in Flash fehlte, scharrt derweil mit den Hufen, hält die Füße im 1333. Tatort aber (noch) angenehm still: Kalli tritt in der 2. Jahreshälfte 2026 gemeinsam mit dem neuen Kollegen Nikola Buvak (Carlo Ljubek), dem in Unvergänglich (1) ein Kurzauftritt als SEK-Chef zuteil wird, die Nachfolge seiner Chefs an und muss dann große Fußstapfen ausfüllen. Bis dahin gehört Batic und Leitmayr die Bühne, und die wissen sie bei ihrem vorletzten Auftritt routiniert und sympathisch zu nutzen: Ein paar Längen im Mittelteil zum Trotz ist die Mischung aus spannenden Ermittlungen, feinem Dialog- und Situationswitz sowie nostalgischen Anspielungen auf 35 Jahre Münchner Tatort-Geschichte unter Regie von Sven Bohse (Wir kriegen euch alle) stets stimmig kalibriert.

Die fiebrige Fahndung nach Täterin oder Täterin kommt dabei fast der Suche nach der Nadel im Heuhaufen gleich: Eine ziemlich beängstigende Vorstellung, dass sich ein unbekanntes Phantom zu praktisch jeder Airbnb-Wohnung einer Stadt Zugang verschaffen könnte, wenn er sich dafür im Zuge einer Buchung die Schlüssel nachmachen lässt. Neben dem erwähnten Tatort mit dem Kieler Kult-Killer Kai Korthals oder den Fortsetzungen Borowski und die Rückkehr des stillen Gastes und Borowski und der gute Mensch wurden solche Szenarien auch schon in anderen starken Thrillern wie dem Dresdner Beitrag Was ihr nicht seht von 2023 erfolgreich durchgespielt. In diesem Kontext erklärt sich auch die zunächst irritierende Auftaktsequenz – gleicht die Frau, die schlafend auf einer Couch liegt, doch so gar nicht der Person, die als verbrannte Tote identifiziert wird.

Neben Batic und Leitmayr rücken im Drehbuch von Johanna Thalmann und Moritz Binder, die bereits den Münchner Fall Dreams von 2021 verantworteten, zwei weitere Personen in den Mittelpunkt des Interesses: Die jungen Kara Roth (Lara Feith, Totes Herz) und Mike Werner (Daniel Noël Fleischmann, Hetzjagd), die sich aus einer Pflegefamilie kennen, gehen seit Jahren durch dick und dünn. Die von Lara Feith bravourös gespielte Kara ist dabei die spannendere, weniger durchsichtige Figur, mit der es in Unvergänglich (2) erfreulicherweise ein Wiedersehen gibt. Bis auf die Zielgeraden des Films kann sich vor allem Leitmayr nie sicher sein, woran er bei der labilen Frau ist. Kurze Begegnungen gibt es außerdem mit dem voyeuristischen Hausmeister Bernd Pfannenmüller (Max Mayer, Die Amme) und dem schmierigen Steve (Niklas Mitteregger, Schau mich an), der mit seinem Schlüsseldienst eine Schlüsselrolle einnimmt.

Der dröhnende Score im Inception-Stil und die düsteren, konsequent entsättigten Bilder tragen ihren Teil dazu bei, dass der Krimi nach dem stimmungsvollen Auftakt im finsteren Münchner Untergrund auch auf der Zielgeraden noch einmal einen Gang hochschaltet und in ein furioses Finale mündet, das auch für sich allein hätte stehen können – wären da nicht die letzten 90 Sekunden, die wenige Augenblicke vorm Abspann noch einmal einen knackigen Cliffhanger für Teil 2 der Doppelfolge liefern. Batic und Leitmayr sind zu diesem Zeitpunkt schon Ruheständler und haben ihre Büros offiziell geräumt – und dennoch steht außer Frage, dass sie in ihrem 100. und allerletzten Fall noch einmal den Weg zurück ins Polizeipräsidium finden.


BATIC:
Wir könnten doch ausmachen, dass wir uns im letzten Fall nicht erschießen lassen.

LEITMAYR:
Das wäre wirklich ein arges Klischee.

Bewertung: 7/10


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