Der Tatort Abstellgleis, der am 30. März 2025 erstmalig ausgestrahlt wurde, endet mit einem dramatischen Finale, das Interpretationsspielraum bietet, Vorwissen voraussetzt und den Boden für einen späteren Twist in Schmerz bereitet. Wir erklären den Showdown und verraten, wie es in Dortmund weitergeht.
ACHTUNG: ES FOLGEN SPOILER!
Der Dortmunder Tatort Abstellgleis, bei dem die Hauptkommissare Peter Faber (Jörg Hartmann) und Rosa Herzog (Stefanie Reinsperger) auf Anweisung ihrer Chefin Ira Klasnic gemeinsam mit dem Streifenpolizisten Otto Pösken (Malick Bauer) eine Fahrerflucht mit Todesfolge aufklären müssen, gipfelt in einem blutigen Showdown.
Der seit kurzem für die Rechtsmedizin tätige Magnus Gabor (Stefan Haschke), der es auf den Posten von Dr. Greta Leitner (Sybille Schedwill) abgesehen hat, wurde soeben von der Kripo überführt: Der Familienvater hatte seine Doktorarbeit von der Verstorbenen fälschen lassen, wurde anschließend aber von ihr erpresst und hat sie mit seinem SUV getötet, um nicht aufzufliegen. Der Film legt nahe, dass der Chef der Spurensicherung, Sebastian Haller (Tilman Strauß), Gabor auf die Schliche kam und ebenfalls von ihm erstochen wurde – eindeutig geklärt wird das aber bewusst noch nicht. Der dringend tatverdächtige Faber, dessen DNA an Hallers Leiche gefunden wurde, gerät dadurch in die Bredouille und taucht vorübergehend unter. Im Tatort wird Gabor, nachdem er Leitner lebensgefährlich verletzt und Hallers Erzfeind Faber seine Waffe abgenommen hat, auf einem Parkdeck umstellt.
Einige Meter vor ihm steht LKA-Kommissar Daniel Kossik (Stefan Konarske), der seine Pistole auf Gabor richtet und den überführten Straftäter auffordert, sich zu ergeben und seine Waffe niederzulegen. Hinter Gabor tritt Rosa Herzog aus der Tür eines Treppenhauses, das hinauf auf das Parkdeck führt. Seitlich postiert ist Otto Pösken, der ebenfalls die Waffe auf Bauer richtet. Dann fallen zwei Schüsse – doch die Kamera zeigt nicht, wer sie abgibt. Zu sehen ist erst der geschockte Kossik, dann Pösken und dann Herzog, die ebenfalls ihre Waffe gezogen hatte und diese nun wieder senkt.

Wer gibt die Schüsse ab – und warum?
Auch wenn die Kamera es nicht zeigt, besteht kein Zweifel daran, dass die Schüsse aus Herzogs Waffe abgefeuert wurden: Aus Gabors Bauch spritzt Blut, und nachdem der tödlich Getroffene nach vorne stürzt, zeigt auch sein Rücken zwei Einschuss- (oder Austrittslöcher). Pösken, der seitlich zu Bauer steht, scheidet damit als Schütze aus. Geschossen haben muss entweder Kossik von vorne oder Herzog von hinten. Der LKA-Kommissar war es allerdings nicht: Nachdem Gabor zusammenbricht, macht der aufgebrachte Kossik der sichtlich betroffenen Dortmunder Kommissarin vielmehr Vorwürfe, vorschnell gehandelt zu haben:
Während die Schützin also eindeutig zuzuordnen ist, bleibt in diesem Tatort offen, warum Herzog den Doppelmörder erschießt. Anders als von Hallers SpuSi-Kollegin Rabea Sharif (Ann-Kathrin Hinz), die womöglich davon wusste, dass Haller bei Herzog ein verdächtiges Prepaid-Handy gefunden hatte, mit dem er etwas gegen sie in der Hand zu haben glaubte, ging von Rechtsmediziner Gabor keine direkte Gefahr für sie aus. Möglich wäre aber, dass Herzog kurzen Prozess mit ihm macht, weil der Kriminelle seine Tat dem unschuldigen Faber in die Schuhe schieben wollte – oder weil sie selbst in den Mord an Haller involviert ist. Knapp ein Jahr später wird im Dortmunder Tatort Schmerz vom 22. Februar 2026 eindeutig geklärt, warum Herzog wirklich von Gabors Tod profitiert.
Eine Kurzschlusshandlung oder Überreaktion sind auch aus anderen Gründen denkbar: Abstellgleis endet (so wie interessanterweise auch Schmerz) am Grab von Martina Bönisch (Anna Schudt) mit einem Dialog zwischen Faber und Herzog, der die hektische Situation auf dem Parkdeck noch einmal aufgreift. Er legt nahe, dass Herzog nach den aufwühlenden Tagen vor den Schüssen mit ihren Nerven am Ende war. Möglicherweise wollte sie deshalb einen Schlussstrich unter den kräftezehrenden Fall ziehen:
Interessant ist in diesem Kontext, dass Herzog bereits in ihrem ersten Fall vorschnell zur Schusswaffe greift: Im Tatort Heile Welt von 2021, in dem sie ihr Debüt in Dortmund gibt, richtet sie plötzlich ihre Pistole auf Vermummte, die in eine Wohnung eindringen wollen – sehr zur Verwunderung ihres Kollegen Jan Pawlak (Rick Okon), der die Situation allein mit Worten deeskaliert und die übermotivierte Aktion seiner Kollegin entsprechend kritisch beäugt.
Was hat es mit Rosa Herzogs Handy auf sich?
Rosa Herzog gerät im 1298. Tatort auch schon vor ihren Schüssen in Bedrängnis: SpuSi-Chef Haller informiert sie darüber, dass im Rahmen von Herzogs Entführung in Liebe mich! ein Prepaid-Handy in ihrem Wagen gefunden wurde. Herzog wurde in dieser Zeit erstmalig von ihrer polizeilich gesuchten Mutter Susanne Bütow (Esther Zschieschow) kontaktiert, die als Terroristin für die RAF tätig war und seitdem im Untergrund lebt. Hat Herzog sie womöglich dabei unterstützt?

Haller, der Faber so schnell wie möglich loswerden will und Herzogs Unterstützung einfordert, erpresst die Kommissarin und unterstellt ihr, Herzog habe ihre Mutter damals mit diesem Handy kontaktiert. Die aktive Unterstützung einer gesuchten Terroristin würde das Ende von Herzogs Polizeikarriere bedeuten. Nachgewiesen werden kann ihr das aber nicht: Herzog fällt ihrer Mutter bereits in Love is Pain in den Rücken und verrät sie an die Polizei. In Made in China ist Bütow erstmalig im Gefängnis zu sehen. Das Handy selbst hatte Faber für seine Kollegin in Gegenleistung für deren Loyalität aus der Asservatenkammer gestohlen.
Auf einen Deal mit Kossik, der Herzog wegen des Handys und einer früheren Kontaktaufnahme zur Mutter im Visier hat, lässt sich Bütow in Abstellgleis nicht ein. Stattdessen spricht die Kommissarin selbst mit ihrer Mutter. Diese behauptet dem LKA-Kommissar gegenüber abschließend sogar, ihre Tochter habe nur einmal Kontakt mit ihr gehabt, ehe sie beim zweiten Anruf verhaftet wurde.
Welche Rolle spielt Daniel Kossik?
Dortmund-Rückkehrer Daniel Kossik (Stefan Konarske) ist im Krimi aus dem Ruhrgebiet ein alter Bekannter: Insgesamt zehn Mal war er als Oberkommissar für die Dortmunder Kripo unter damaliger Leitung von Peter Faber aktiv. Erstmalig zu sehen war er – so wie Faber – in Alter Ego von 2012. Die beiden gerieten regelmäßig und lautstark aneinander. Eine Übersicht der Vorfälle hat die News-Agentur SpotOn erstellt.
Anfangs war Kossik mit seiner Kollegin Nora Dalay (Aylin Tezel) liiert, die ein gemeinsames Kind abtreiben ließ. Es kam zur Trennung von Oberkommissar und Oberkommissarin. Im Tatort-Meilenstein Sturm von 2017, der offen endet, wird Kossik schließlich lebensgefährlich verletzt und lässt sich zum LKA nach Düsseldorf versetzen. Dalay bleibt ein paar Folgen länger.

Auf Wunsch der neuen Kripo-Chefin Ira Klasnic kehrt Kossik in Abstellgleis nach Dortmund zurück – allerdings nicht, um bei den Ermittlungen im Fall der tödlichen Fahrerflucht zu ermitteln, sondern um Faber des Mordes an Haller zu überführen. Mit Herzogs tödlichen Schüssen auf Gabor hat er nun einen weiteren Fall zur Untersuchung bekommen, der im Dortmunder Nachfolger Feuer, der am 9. Juni 2025 erstmalig ausgestrahlt wurde, noch nicht aufgeklärt wurde. Zu Ende geführt wird dieser Handlungsstrang ebenfalls erst in Schmerz.
Woher kennen sich Ira Klasnic und Lorik Duka?
Kurz vor dem Abspann irritiert der Tatort Abstellgleis noch mit einer Szene, in der sich die Kripo-Chefin Ira Klasnic und der lange tatverdächtige Galerist Lorik Duka (Kasem Hoxha) nahe kommen: Die beiden stehen sich gegenüber, schauen sich intensiv in die Augen und nehmen einander an die Hand. Duka schaut dabei erfreut, Klasnic ernst:

Woher die beiden sich so gut kennen und warum sie so ein vertrautes Verhältnis zueinander haben, lässt der Film offen. Der Verdacht liegt nahe, dass Klasnic schon einmal beruflich mit Duka zu tun hatte: Vor ihrer Zeit vor der Dortmunder Kripo war Klasnic – so wie Daniel Kossik – für das Landeskriminalamt tätig. Duka wiederum ist Teil des albanischen Duka-Clans, der in Dortmund sein Unwesen treibt, in diesem Tatort allerdings nur am Rande thematisiert wird. In Schmerz klärt sich schließlich, dass beide die Schrecken der Jugoslawienkriege hautnah miterleben mussten und sich aus dieser Zeit in Bosnien noch sehr gut kennen.
Drehbuchautor Jürgen Werner verriet bereits 2025 im Interview mit Quotenmeter.de, dass diese Geschichte in Schmerz weitererzählt wird: „Wir werden Ira Klasnic besser kennenlernen und besser verstehen, warum sie ist, wie sie ist. Die Duka-Familie […] wird in der Zukunft noch eine wichtige Rolle spielen. Aber auch dann geht es nicht um die „Big Five“, Drogen-, Waffenhandel, Einbruch, Prostitution und Erpressung“, so der Filmemacher im Interview.
Wie uns der Dortmund der Tatort Abstellgleis gefallen hat, erfährst du in unserer Filmkritik.

