Bild: BR/Claussen+Putz Filmproduktion GmbH/Hendrik Heiden

Gottesgarten

Folge 1344

25. Oktober 2026

Sender: BR

Regie: Dustin Loose

Drehbuch: Constantin Lieb

So war der Tatort:

Weniger fromm und friedlich, als es der Krimititel nahelegt.

Gottesgarten ist auch keine Umschreibung für den Garten Eden aus dem Alten Testament, sondern eine landschaftlich reizvolle Region im beschaulichen Obermainland – und in der wird in diesem „Dadord“ genauso brutal gemordet wie in anderen deutschen Städten und Gegenden. Im Kreis Lichtenfels, genauer gesagt im fiktiven Markt Klostermain (gedreht wurde in Bad Staffelstein), liegt der junge Travestiekünstler Elias Schaller (Moritz Bock) tot in einem Stundenhotel. Es wird vor allem von Prostituierten genutzt. Gleich vier Männer sind kurz vor der Tat bei ihm gewesen und dabei von einer Überwachungskamera gefilmt worden – womit die Ausgangslage der konventionellen Whodunit-Konstruktion auch schon beschrieben wäre.

Der 12. Franken-Tatort ist dennoch ein besonderer: Nach dem Abschied der langjährigen Ermittlerin Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel) im Tatort Trotzdem ging Hauptkommissar Felix Voss im Tatort Ich sehe dich zunächst einmalig allein auf Täterfang, erhält nun aber wieder weibliche Verstärkung. Doch rückt nicht etwa die emsige Kommissarin Wanda Goldwasser (Eli Wasserscheid) auf der Karriereleiter nach oben: Kripochef Dr. Mirko Kaiser (Stefan Merki) hat sich für eine externe Besetzung entschieden und die aus Ingolstadt zugezogene Hauptkommissarin Emilia „Emmy“ Rathgeber (Rosalie Thomass, Tempelräuber) an Bord geholt. Die erntet einen Tag nach Voss‘ Geburtstag beim Dienstantritt im Präsidium Lacher und Sympathiepunkte von der verkaterten Belegschaft.


RATHGEBER:
Wie heißt es so schön: Man soll Gott für alles danken, besonders auch für Franken.

In der Folge wirkt der Humor zwischen Rathgeber und Voss allerdings oft bemüht. Etwa dann, wenn Voss der neuen Kollegin „sein Wort gibt“ und von Zwetschgenquarkknödeln seiner Oma erzählt. Überhaupt gibt sich Voss im 1344. Tatort seltsam steif, bleibt lange beim „Sie“ und taut erst im letzten Filmdrittel auf. Für das Drehbuch von Constantin Lieb, der sein Debüt für die Krimireihe gibt, gilt das in ähnlicher Form: Gottesgarten plätschert lange Zeit brav, unaufgeregt und philosophisch vor sich hin. Der Film kommt schwer in die Gänge. Dass Regisseur Dustin Loose (Der höllische Heinz) deutlich spannendere Krimis zu inszenieren vermag, hat er 2018 mit dem starken Dresdner Beitrag Déjá-vu aber eindrucksvoll bewiesen.

Sein dritter Fadenkreuzkrimi hingegen nimmt sich viel Zeit dafür, die Chemie zwischen Rathgeber und Voss auszuloten – etwa dann, wenn sie die Beziehungsmängel zwischen dem Vater (Horst Kummeth, Gegenspieler) und der Mutter (Jule Gartzke, Masken) des Toten analysieren. Dass Voss eine vielschichtige Figur ist, hat er in seinen bisherigen elf Einsätzen hinlänglich gezeigt, wenngleich im „Dadord“ selten viel Zeit in das Privatleben der Kriminalisten investiert wurde. Rathgeber fehlen noch Ecken und Kanten, wenngleich die Figur ihr Potenzial andeutet: Für die obligatorische Leichenschau in der Rechtsmedizin lässt sie sich eine Ausrede einfallen und auch ihre familiären Verhältnisse scheinen ein wenig erfreuliches Kapitel zu bergen. Das weckt die Neugier auf mehr.

In Reihen der Spurensicherung menschelt es ebenfalls, was in der Krimireihe selten vorkommt: Michael Schatz (Matthias Egersdörfer), letztmalig im Tatort Warum von 2022 in Nürnberg mit von der Partie, ist nun Teil einer SpuSi-Doppelspitze mit Esmeralda Schmuck (Lisa Sophie Kusz), die ihn in Trotzdem und Ich sehe dich vertrat. Trotz geringer Kamerazeit schimmert durch, dass die beiden sich nicht immer grün sind und in Konkurrenz zueinander stehen – ein Umstand, aus dem sich in Zukunft weitere Pointen oder Reibungspunkte ableiten ließen. Auch in dieser Hinsicht ist Gottesgarten für den Bayrischen Rundfunk ein Neustart.

Ansonsten ist der traditionell spärlich ausgeleuchtete Franken-Tatort eine hübsch fotografierte, vor reichlich Fachwerk spielende Kreuzung aus Whodunit, Howcatchem und Entführungsthriller: Toni Steeg (Leonard Scheicher, Ein paar Worte nach Mitternacht) und Marcel Dahlmann (Anselm Ferdinand Bresgott, Charlie), zwei enge Jugendfreunde des Mordopfers, nehmen die Ermittlungen selbst in die Hand und rücken ihrem früheren Peiniger Thorsten Widner (Jörg Witte, Sonnenwende) auf die Pelle. Der wiederum ist viel zu verdächtig, als dass er als Antwort auf die Täterfrage infrage käme: Wer so offensichtlich der Mörder sein muss, ist’s im Tatort bekanntlich selten gewesen. Und doch ist die Auflösung eine Überraschung.

Auf dem Weg dorthin ziehen die Filmemacher die Spannungsschraube spät, aber nicht zu spät an: Was anfangs in rätselhaften, später durschaubaren Rückblicken ins Jahr 2010 angedeutet wird, bildet das Fundament für einen fiebrigen Showdown, in dem es weniger einen Mörder zu überführen als vielmehr Menschenleben zu retten gilt. Auch hier setzt nicht Voss, sondern Rathgeber das letzte Ausrufezeichen. Voss kann mit einer starken Partnerin an seiner Seite aber bekanntlich gut umgehen – und so dürfen wir gespannt sein, ob durch die Neubesetzung tatsächlich ein neuer Kurs im Frankenland erkennbar sein wird.

Bewertung: 6/10


Kommentare

Neue Kommentare werden nicht sofort veröffentlicht, sondern in der Regel binnen kurzer Zeit durch die Redaktion freigeschaltet.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert