Bild: SWR/Benoît Linder

Explosive Mischung

Folge 1341

4. Oktober 2026

Sender: SWR

Regie: Martin Eigler

Drehbuch: Martin Eigler

So war der Tatort:

Knapp 90-minütig.

Das trifft natürlich auf die meisten Tatort-Folgen zu – doch entspricht die Länge des Krimis nur in wenigen Ausnahmefällen auch gleichzeitig der Länge der Handlung. In Explosive Mischung aus Ludwigshafen ist genau das der Fall: Die Handlung startet um 20.16 Uhr und endet um 21.45 Uhr, wie Einblendungen belegen – genau wie die Tatort-Premieren im linearen Fernsehen, die sich seit September 2026 neuer Konkurrenz durch das Vorab-Streaming in der ARD-Mediathek ausgesetzt sehen. Aber bringt das nächtliche Echtzeit-Szenario, auf das der SWR kurioserweise in nahezu identischer Form bereits im sechs Monate zuvor ausgestrahlten Schwarzwald-Tatort Innere Angelegenheiten setzte, dem Krimi auch einen Mehrwert?

Leider nicht. Vielmehr stellt die Behauptung, das gesamte Geschehen würde sich in einem Zeitfenster von eineinhalb Stunden abspielen, die Glaubwürdigkeit des Krimis zusätzlich infrage. Eine abgespecktere Handlung hätte der Geschichte von Regisseur und Drehbuchautor Martin Eigler (Dein gutes Recht) zudem gut getan: Zusätzlich zum Kriminalfall um den Tod eines Geldautomaten-Sprengers quetscht Eigler auch noch Selbstjustiz in einem Problemviertel in der Stadt am Rhein (kennen wir aus Wacht am Rhein), häusliche Gewalt und Femizide sowie die wilde Jugend von Assistent Nico Langenkamp (Johannes Scheidweiler) und das zerrüttete Verhältnis zum im Vorgänger Sashimi Spezial in Ungnade gefallenen Polizeidirektor Kurt Breising (Bernd Hölscher) in den Plot.

Unterm Strich zu viel, dabei startet der 84. Tatort mit Hauptkommissarin Lena Odenthal (Ulrike Folkerts), die mit ihrer Partnerin Johanna Stern (Lisa Bitter) lange Zeit nur in Split-Screens gemeinsam im Bild ist, durchaus vielversprechend: Nach einem Prolog, in dem der blutende Breising in einen Krankenwagen verfrachtet wird, springt das Geschehen pausenlos zwischen mehreren Schauplätzen. Stern und Langenkamp halten im Büro die Stellung, während Polizeianwärterin Mara Herrmann (Davina Chanel Fox) in einer Spielothek eine mögliche Mitwisserin beschattet. Odenthal wiederum fühlt dem arbeitslosen Ulf Meisner (Christian Schneeweiß) auf den Zahn, der seine Frau Isa Meisner (Hannah Ehrlichmann) verprügelt: Er hat sich als Wächter des Viertels auserkoren, in dem der Geldautomat gesprengt wurde.


MEISNER:
Wir wissen doch alle, wie das läuft bei euch. Alles kaputt gespart, kein Personal mehr. Keiner wird mehr eingestellt, außer natürlich Frauen und Behinderte. Wir sorgen doch mit unseren Spaziergängen dafür, dass die Gegend hier wieder sicherer wird.

ODENTHAL:
Spaziergänge? So nennen die Rechtsradikalen das auch, wenn sie die Nachbarschaft terrorisieren.

Besonders Meisner scheint ein Meister der Teleportation zu sein, denn anders sind seine Aktivitäten und vielen Ortswechsel kaum zu erklären: Binnen 45 Minuten findet der Mann, über dessen Wesen wir wenig erfahren, nach „Spielo“-Besuch und Spaziergang mühelos die Zeit für einen Drink in seiner Wohnung und das dortige Malträtieren seiner Gattin sowie für eine Prügelei mit Chris Lohberg (Filip Schnack, Herz der Dunkelheit), dem tatverdächtigen Bruder des Opfers, der gerade mit Nico Langenkamp um die Häuser zieht. Dann kehrt er ein weiteres Mal in seine Wohnung zurück und findet sich um 21 Uhr auf dem Polizeipräsidium ein – pünktlich zum überlangen Showdown, bei dem praktischerweise alle wichtigen Personen am selben Ort aufschlagen.

Schon Sashimi Spezial litt unter massiven Glaubwürdigkeitsproblemen, und mit denen hat auch der 1341. Tatort mit zunehmender Spieldauer stark zu kämpfen. Das Handeln der Charaktere leuchtet nicht immer ein oder hielte auch keinem Realitätsabgleich stand: Warum etwa Meisner so erpicht darauf ist, noch einmal Odenthal zu treffen, statt nach einem Gewaltverbrechen das Weite zu suchen, bleibt sein Geheimnis. Die anstrengende, zumindest halbwegs authentisch quatschende Lohberg-Gang, der früher auch Nico angehörte, spaziert derweil unbehelligt von Beamten, Kameras oder Wachpersonal direkt ins Herz des Ludwigshafener Präsidiums und verbrennt dort ungestört Ermittlungsmaterial. Das ist zwar alles spannend und atmosphärisch dicht inszeniert, selbst zu dieser späten Uhrzeit aber ziemlich hanebüchen.

Besonders dem bisher so sympathischen, diesmal naiv agierenden Nico, der mit Mara Herrmann in den Jahren zuvor den überfälligen frischen Wind in die Krimis aus der Kurpfalz brachte, hätte man eine weniger konstruierte Backstory gewünscht: Seine Solo-Tour und das große Wiedersehen im Revier entwickeln sich bisweilen zur unfreiwilligen Lachnummer. Auch das actionreiche Finale mit Rauchgranaten und SEK-Einsatz atmet trashige B-Movie-Ästhetik. Wer für den Tod des Automatensprengers verantwortlich ist, rückt angesichts des überfrachteten Drehbuchs und der turbulenten Handlung lange in den Hintergrund und wird am Ende nahezu beiläufig aufgelöst. Stimmt, da war ja noch was.

Schade, denn mit Blick auf sein reizvolles Echtzeit-Szenario hätte Explosive Mischung eine deutlich überzeugendere Angelegenheit werden können. Dass solche Geschichten im Tatort sehr gut funktionieren können, haben mitreißende Hochkaräter wie der Münchner Meilenstein Unklare Lage, das handwerklich herausragende Schweizer One-Shot-Experiment Die Musik stirbt zuletzt oder der furios ausklingende Dortmunder Krimikracher Sturm eindrucksvoll bewiesen. So überwiegt die Ernüchterung darüber, wie wenig der Krimi aus einer doppelten Geiselnahme und dem engen Zeithorizont herausholt: kein Ultimatum, kein Wettlauf gegen die Zeit, keine erhöhte Brisanz wegen knapper Zeit. Dramaturgisch hätte sich wenig geändert, wenn sich das Geschehen – so wie sonst auch – über mehrere Tage erstreckt hätte.

Bewertung: 4/10


Kommentare

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18 Kommentare zu „Explosive Mischung“

  1. Avatar von Dieter Staab
    Dieter Staab

    Haben die armen Kommissare eine Beleuchtungssperre in Ihren Büros, die werden sich alle die Augen kaputt machen so wie die Zuschauer auch. Warum haben die im Heizungskeller grünes dunkles Licht? Allerdings etwas heller als in Ihren Büros. Und dann noch das Genuschel, Sehr, sehr jämmerlich das Ganze. Das ist doch keine Unterhaltung, wenn man dann mit Kopfschmerzen ins Bett gehen kann.

  2. Avatar von Ingeborg Winterstetter
    Ingeborg Winterstetter

    Nach langer Zeit wieder einmal einen Tatort „probiert“, meine Fresse, das ist ja noch blöder geworden, als ich es in Erinnerung habe. Total langweilig, fühle mich wirklich weit unter Wert angesprochen, so primitiv und dann dieses ganze feministische Zeugs. Ja ja, die bösen Männer. Das ist ja selbst als Sozialdrama zu unterirdisch. Und die Polizei ist noch dümmer als die Polizei erlaubt. Aber das kommt davon, wenn man nur noch politisch korrekten Schwachsinn als Drehbücher akzeptiert, man will ja so „woke“ sein, zum Wiehern. Na ich bin heilfroh über mein netflix und Amazon – und hoffe inständig, daß dieses Gebührenfernsehen irgendwann sich selbst abschafft. Junge Leute schauen sowieso nur noch ganz wenig diese Programme.

  3. Avatar von Jens Schelle
    Jens Schelle

    Seitdem die Stern im Team ist, gehts mit dem Ludwigshafener Tatort, passend zu vielen anderen Tatort-Teams, bergab. Man möchte sich offenbar von einem Teil der Tatort-Zuschauer trennen.
    Mission accomplished!

  4. Ich weiß nicht, was die Leute erwarten. Der Tatort ist ein Krimi mit einer fiktiven Handlung. Ich habe schon wesentlich schlechtere Tatorte gesehen – und natürlich auch wesentlich bessere!
    Aber ich wurde gestern Abend gut unterhalten, spannend fand ich’s auch – mehr braucht‘s nicht!

  5. Unrealistisch? Ja!
    Aber trotzdem spannend!
    Ist halt ein Film und keine Polizeidoku, von daher würde ich diesem Tatort eine 3- als Schulnote geben. Viele andere Tatort‘s und die meisten Odenthal‘s waren schlechter.

  6. Heute seit langem mal wieder reingeschaut: Der Ludwigshafener Tatort ist seit Jahren einer der langweiligsten, unambitioniertesten Tatorte die ich kenne. Spätestens nach dem Aussscheiden von Kopper kann ich mir den Mist nicht mehr ansehen. Vorher hat man ja wenigstens noch wegen der eigenwilligen Beziehung von Kopper und Odenthal reingschaut, weils bisweilen ganz lustig war. Das man Hoppe aber rausgeschmissen hat – für mich bis heute nicht nachvollziehbar. Hatte Folkerts nich kurz zuvor noch gesagt, ohne Kopper hört sie auch auf? als noch niemand wusste, das es bald wirklich passiert? Aber dieses Frauenduo was dann folgte…. was das eine Idee von der Folkerts? überhaupt sind die Ludwigshafener Tatorte themenseitig sehr frauenlastig. Meine Güte, was waren das früher für spannende Tatorte mit ihr, ich erinnere nur an den Fall mit den Außerirdischen, einer der besten Tatorte ever. Lena Odenthal ist auserzählt. Folkerts ist 65, und will weiter machen? Na dann wird sie wohl zu denjenigen gehören, die man bald gegen ihren Wllen aussortiert, weil sie den eigenen Zeitpunkt zu gehen, verpassen. Mit einem guten Drehbuch, und einem ordentlichen Kopper Ersatz wäre sie sicher weiter gut und sehenswert. Sie ist die taffeste Frau im deutschen Fernsehen. Aber dieses Femininsten-Duo neben Schlaftabletten-Handlungen und beleidigenden Unter-Intellekt-Drehbüchern tu ich mir nicht weiter an.

  7. Die ganze Produktion hat etwas billig gewirkt. Als müsse der SWR Geld sparen. Die Handlung war auch etwas hanebüchen. Zumindest war es unterhaltsam.

    Aber mir ist klar, warum Meisner Odenthal nochmal treffen wollte. Er wollte sie umbringen, weil sie versucht hat, seine Frau aus der Ehe zu holen.

    5/10

  8. Die Kritik beschreibt recht gut die auffallenden Punkte. Die Motivation der Protagonisten ist nicht nachvollziehbar, aber zum Glück marschieren sie alle irgendwann zum Teil bewaffnet völlig unbehelligt in das Polizeipräsidium, in dem sich zuvor alle Kollegen einen „schönen Feierabend“ gewünscht haben und richten da Chaos an, schnappen sich herumliegende Schusswaffen, schießen um sich. Und während das SEK vor der Tür steht, geht Frau Odenthal natürlich selbst in das Chaos und versucht, etwas zu bereinigen. „Halt dein verdammtes Maul“ und „Heb deine Scheiß-Hände“-Meisner verbreitet damit wenig Angst und Schrecken, sondern lässt beim Zuschauer nur ein hilfloses Schulterzucken zurück – was wollte dieser Typ da eigentlich? Und was die anderen? Wie hoch ist der durchschnittliche IQ im Problemviertel samt Langhaar-Nico? Und wieso besteht die Polizei ansonsten auch nur aus weinenden Praktikantinnen und tatenlosen SEK-Statisten? Puh – zum Glück war letzte Woche der Demenz-Kommissar, so etwas lässt mich an den Tatort glauben. Ich bleibe also dabei… 🙂

  9. Wie immer in LU zieht sich alles zäh wie Kaugummi, Plot und Ermittlungsarbeit langweilig wie eh und je, Schauspielleistung im Vergleich zu anderen Tatorten auch immer eher unter dem Durchschnitt. Dass so viele Themen reingequetscht waren, empfand ich nicht mal als störend; Ansätze, wie alles ineinander greift, waren eigentlich vorhanden und hätten nur bisschen ausgebaut werden müssen.

  10. Völlig an der Realität vorbei. Als ob man nachts in eine Polizeidienststelle hofiert wird und zudem Kleinkriminelle einfach mal so mit Kinderfeuerwerk vorbeifahren.

    Das Thema Femizid und extremistische Gewalt ist viel zu ernst, um daraus solch einen naiven, dümmlichen und unrealistischen Tatort zu konstruieren.

    Wahnsinn wie so etwas wirklich gesendet werden kann.

  11. Avatar von Andreas

    Habe mich sehr gut amüsiert.
    Fürchte aber, das war nicht so geplant.

    1. Avatar von Christof

      Ja, genau so sehe ich das auch. Durch die durchgehend unglaubwürdige Story ist aus dem Krimi immerhin noch eine gute Komödie geworden.

  12. Dümmliche Verbrecher und komplett unrealistische Handlung. Selten so einen schlechten Tatort gesehen. Wenn den Machern nur noch so ein Mist einfällt, sollte man das Format einstampfen.

  13. Avatar von Lutz Giese
    Lutz Giese

    Der ganze Tatort war eine Katastrophe,unglaubwürdigkeit, leienhaft und alles nur im Dunkeln.
    Dafür werden unsere Gebühren ausgegeben, unglaublich

  14. Avatar von Jürgen Poralla
    Jürgen Poralla

    Selten so ein Mist gesehen. Für wie blöd hält der Drehbuchschreiber die Polizei.

  15. Avatar von Richard Beisig
    Richard Beisig

    Unlogischer und weltfremder geht es nicht mehr!
    Der Drehbuch Autor muss besoffen gewesen sein.

  16. Avatar von Lilo Hofferberth
    Lilo Hofferberth

    Bin Tatort Fun .Aber mittlerweile sind alle Filme so Dunkel ,dass ich es aufgebe
    alle neuen Filme anzusehen.Da sitzen die Leute am Tage im Büro mit Licht ,trotzdem ist das Bild dunkel. Bei allen neuen Filmen in der ARD oder im ZDF
    das gleiche .Dabei schauen doch nur noch alte Leute Euer Programm .

  17. Avatar von Uwe Grotensohn
    Uwe Grotensohn

    Ich weiß nicht, wie der Tatort Explosive Mischung derart gute Kritiken bekommen konnte. Dilletantische Gangster, völlig unrealistische Handlung, unglaubwürdige Abfolgen des Polizeihandelns. Eine Frechheit, den Zuschauern solch einen Scheiß vorzusetzen.
    Die Verantwortlichen sollten sich schämen und ihrer Aufgaben entbunden werden.

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